Neues in
der Reproduktionsmedizin
Thomas Rabe und Thomas Strowitzki
Universitäts-Frauenklinik Heidelberg
Abt. Gyn. Endokrinologie u.
Fertilitätsstörungen
und die
Deutsche Gesellschaft
für Gynäkologische Endokrinologie
und
Fortpflanzungsmedizin (DGGEF e.V.)
als Arbeitsgemeinschaft der
Deutschen Gesellschaft für
Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG e.V.)
Unter Mitarbeit von
Cosima Brucker (Ulm), Klaus Diedrich
(Lübeck), Inge Eberhardt (Heidelberg),
Robert Fischer (Hamburg), Klaus Grunwald (Aachen),
Christoph Keck (Freiburg), Frank
Michael Köhn ( München),
Michael Ludwig (Lübeck), Hans
Wilhelm Michelmann (Göttingen),
Markus Montag (Bonn), Suat Parta (Heidelberg),
Wolf-Bernhard Schill (Giessen), Thomas
Steck (Würzburg), Karl Sterzik (Ulm), Hans van der Ven (Bonn), Peter H. Vogt (Heidelberg),
Wolfgang Weidner (Giessen), Michael
Weigel (Mannheim),
Wolfgang Würfel
(München), Tewes Wischmann
(Heidelberg),
Ute Weißenborn (Aachen)
Anschrift der Autoren siehe Anhang
Version 32/07.06.2000
1. Allgemeines
- Situation
in Deutschland
- Jährlich
werden bis zu 6.000 Kinder nach IVF geboren
- Nach
Sterilitätsbehandlung werden pro Jahr 30.000 Kinder geboren; dies
entspricht 4% aller lebend geborenen Babys in Deutschland.
- Selbsthilfeorganisationen
- z.B.
Kinderwunsch e.V.; Links siehe auch unten www.fertinet.de bzw.
www.astamedica-awd.de/cetrotide
- Internet:
- Suchmaschinen (z.B. www.yahoo.de.; www.metacrawler.de)
- www.fertinet.de
(Reproduktionsmedizin in Deutschland; gesponsert von Serono), www.fertiring.de
(Reproduktion in Deutschland und weltweit, gesponsert von Ferring);
www.organon.de (Reproduktionsmedizin; Homepage der Fa. Organon),
www.astamedica-awd.de/cetrotide (u.a. ungewollte Kinderlosigkeit; zahlreiche
Links u.a. zu Selbsthilfegruppen); www.asrm.org (Internetseite der American
Society for Reproductive Medicine, weitere Links zu anderen Institutionen)
- Übersichten: siehe auch Zeitschrift:
Reproduktionsmedizin; hier "Internet-Adressen".
Eine komplette
Zusammenstellung aller bisher in der Zeitschrift Reproduktionsmedizin
veröffentlichten Internet-Adressen ist in einem seperatem Dokument
erhältlich, das über die Deutsche Gesellschaft für
Gynäkologiesche Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin bestellt werden
kann.
- Wissenschaftliche
Organisationen:
Deutsche Gesellschaft für
Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin e.V. (als
Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und
Geburtshilfe e.V., München)
Die Arbeitsgemeinschaft für
Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (AGGEF) wurde bei
der Mitgliederversammlung der drei Arbeitsgemeinschaften der Deutschen
Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, d.h. die
Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Endokrinologie, die Arbeitsgemeinschaft
für Fertilitätschirurgie und die Arbeitsgemeinschaft für
Reproduktionsmedizin am 20.03.1992 in Heidelberg gegründet.
Die AGGEF wurde in den Jahren von 1994
bis 1998 von Herrn Professor Runnebaum als Sprecher geleitet. Ab 1999 hat Herr
Professor Rabe aus Heidelberg die Sprecherfunktion übernommen.
Auf dem 14. IVF-Treffen in München
(1999) erfolgte die Umbenennung dieser Arbeitsgemeinschaft in eine Deutsche
Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und
Fortpflanzungsmedizin e.V. als Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Gesellschaft
für Gynäkologie und Geburtshilfe, die Eintragung als gemeinnütziger Verein.
Derzeitiger Vorstand der Deutschen
Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und
Fortpflanzungsmedizin
Präsident: Prof.
Dr. med Thomas Rabe , Heidelberg
Vizepräsident : Prof.
Dr. med. Franz Geisthövel, Freiburg
Schatzmeister: Prof.
Dr. Dr. med. W. Würfel, München
Vorstandsmitglieder: Prof. Dr. med. J.
Kleinstein, Magdeburg
Prof.
Dr. med. H.W. Michelmann, Göttingen
Prof.
Dr. med. H.H. van der Ven, Bonn
Dr.
med. C. Keck, Freiburg
Schriftführer: Dr.
med. K. Grunwald
Ziele der DGGEF e.V. befasst sich mit allen
klinischen und wissenschaftlichen Anliegen der Fortpflanzungsmedizin und der
fachspezifischen Endokrinologie. Sie berät den Vorstand der Deutschen
Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe auf diesem Gebiet und
fördert die Kooperation mit allen Gruppierungen, die auf diesen Gebieten
tätig sind.
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Thomas Rabe
Univ.-Frauenklinik Heidelberg
Voßstr. 9
69115 Heidelberg
Tel. 06221/567913
Fax 06221/565713
e-mail: Thomas_Rabe@med.uni-heidelberg.de
Deutsche Gesellschaft für
Reproduktionsmedizin
Die
urspünglich als Deutsche Gesellschaft zum Studium der
Sterilität und Fertilität
im Jahr 1958 gegründete wissenschaftliche Gesellschaft hat sich zum Ziel
gesetzt, sich mit aktuellen Fragen der Sterilität und Fertilität
fachübergreifend zu beschäftigen. Dieser Gesellschaft gehören
u.a. Gynäkologen, Veterenärmediziner und Reproduktionsbiologen an.
Ab 1999 hat Herr Prof. Dr. med. Dr.
h.c. Holzgreve, Basel
als Präsident die Leitung dieser mitlerweile als Deutsche Gesellschaft für Reproduktionsmedizin umbenannten Gesellschaft übernommen.
Wichtiges Kommunikationsorgan der Deutschen Gesellschaft für
Reproduktionsmedizin in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Interessensgruppen
seitens der Deutschen Gesellschaft für Andrologie, der Arbeitsgemeinschaft
der Reproduktionsbiologie des Menschen, der Deutschen Gesellschaft für
Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin und dem
Berufsverband Reproduktionsmedinischer Zentren etc. ist die Zeitschrift Reproduktionsmedizin, die 6mal pro Jahr im Springer Verlag
erscheint.
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Wolfgang
Holzgreve
Universitäts Frauenklinik
Kantonspital Basel
Schanzenstr. 46
CH-4031 Basel
Tel. 0041/61-325-9014
Fax 0041/61-325-9031
e-mail: wolfgang.holzgreve@unibas.ch
Arbeitsgemeinschaft
Reproduktionsbiologie des Menschen e.V.
Arbeitsgemeinschaft
Reproduktionsbiologie des Menschen e.V.
1.
Vorsitzende: Verona Blumenauer
Zentrum
für Reproduktionsmedizin
Goldschmidtstr.
30
04109
Leipzig
E-mail:
V.Blumenauer@web.de
Im November 1994 wurde die
Arbeitsgemeinschaft Reproduktionsbiologie des Menschen in Bonn gegründet.
Die Arbeitsgemeinschaft ist ein korporatives Mitglied im Verband Deutscher
Biologen e.V. (VdBiol). Der Arbeitsgemeinschaft gehören heute die Mehrzahl
der in Deutschland tätigen IVF-Laborleiter, sowie eine Vielzahl weiterer,
in den IVF-Zentren beschäftigte Biologen und Laborfachkräfte an.
Neben der bundesweiten Koordination seiner Mitglieder liegen wichtige Aspekte
in der Förderung des wissenschaftlichen und fachlichen Austauschs auf dem
Gebiet der Reproduktionsbiologie sowie in der konstruktiven Zusammenarbeit mit
allen wissenschaftlichen Gesellschaften und Berufsverbänden im Bereich der
Reproduktionsmedizin.
Gerade in Hinblick auf die zunehmenden
Anforderungen an die Qualität der Laborarbeit ist die Fort- und
Weiterbildung der in der Reproduktionsmedizin tätigen Biologen und
Laborfachkräfte ein wesentlicher Bestandteil der Aufgaben der
Arbeitsgemeinschaft. Die Vermittlung theoretischer Kenntnisse und die Anhebung
des Ausbildungsstandes wird durch kontinuierliche Fortbildungsveranstaltungen
zu verschiedenen Themen der Reproduktionsmedizin gewährleistet. Einen
großen Stellenwert nimmt dabei auch das einmal jährlich
stattfindende Laborleitertreffen ein. Diese Veranstaltung ist für alle
Interessenten offen und bietet neben wissenschaftlichen und praxis-orientierte
Vorträge auch die Möglichkeit zu intensivem Gedankenaustausch.
Daneben werden aktuelle Themen, Berichte und Übersichten in der
Zeitschrift Reproduktionsmedizin auf der Mitteilungsseite der
Arbeitsgemeinschaft allen Interessenten zugänglich gemacht.
- Berufsverbände:
Bundesverband
reproduktionsmedizinscher Zentren (BRZ):
BRZ Bundesverband
Reproduktionsmedizinischer
Zentren Deutschlands e.V.
Kaiserstrasse 7
66111 Saarbrücken
Tel.: 0681-373551
Fax: 0681-373539
http://www.repromed.de
E-Mail: brz@repromed.de
1. Vorsitzender: Dr. med. Michael Thaele
E-Mail: M. Thaele@ivf-saar.de
Geschäftsstelle: Monika Uszkoreit,
MA
E-Mail: uszkoreit@repromed.de
"Im Frühjahr 1996 wurde der
Bundesverband Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschlands e.V. (BRZ)
gegründet. Heute gehören dem Verband bereits die Mehrzahl aller in
Deutschland ansässigen Reproduktionsmedizinischen Zentren an. Einen
wichtigen Aspekt seines satzungsgemäßen Zwecks sieht der Verband in
der Förderung der weiteren Entwicklung der Reproduktionsmedizin im
allgemeinen Interesse. Dazu zählt auch, nicht-ärztlichen
interessierten oder von ungewollter Kinderlosigkeit Betroffenen und Patienten
Informationen über reproduktionsmedizinische Verfahren zugänglich zu
machen, sie über weiterführende Literatur zu informieren und
Anschriften von Selbsthilfegruppen zur Verfügung zu stellen.
Die Ziele des Verbandes schließen
aber auch die Information der interessierten Ärzteschaft, und hier in
erster Linie die Unterstützung der Mitglieder ein. Die Zusammenarbeit mit
anderen, für die Reproduktionsmedizin relevanten Informationseinrichtungen
wie z.B. FertiNet, wesentlichen Zeitungen und Zeitschriften und vielen
Einrichtungen in angrenzenden oder interessanten wissenschaftlichen Bereichen
im In- und Ausland gehört auch zu den Aufgaben des BRZ.
Sollten Sie als Reproduktionsmediziner
Interesse an einer Mitgliedschaft
im BRZ haben, können Sie sich die notwendigen Informationen über und
die Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft, sowie die erforderlichen Formulare
für die Anmeldung direkt als Word-Datei herunterladen.
Wollen Sie persönlich mit uns
sprechen? In der Geschäftsstelle in Saarbrücken stehen wir Ihnen fast
immer zur Verfügung. Auch weiterführendes Informationsmaterial und
die Antwort auf detaillierte Fragen erhalten Sie bei uns, gern auch per e-mail"
- Kongresse:
30.3.-2.4.2000 Serono-Symposia:
International Symposium on ART and the
human
Blastocyst; Dana Point, California, USA
18.-20.05.2000 8.
Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Ge- burtsmedizin.
Meistersingerhalle Nürnberg
2.-26.5.2000 Symposium
Reproduktionsmedizin
Gesundheitsministerium,
Berlin
25.-28.06.2000 16th
Annual Meeting of ESHRE, Bologna
22.-23.06.2000 Serono
Symposia: "Pre-Implantytion Genetics", Bologna, Italy
31.07.-02.08.2000 Fertility
2000, Edinburgh/UK
16.-19.08.2000 Serono
Symposia:L Simpson Symposium XII "Female Reproduc- tion:
Molecules for Medicine". In Honour of Prof. D.T. Braid. The
Royal College of Physicians, Edinburgh, Scotland
14.-17.09.2000 APART
Second World Conference, Budapest
02.-03.10.2000 Serono
Symposia: "Robert G. Edwards at 75", Hotel Excelsior, Venezia
Lido, Italy
12.-14.10.2000 Ovulation
Induction, Third World Congress
Bologna
Italien
12.-13.10.2000 3rd
Annual Meeting of the Neuroendocrinology, Diabetology and Metabolism
Section of the German Society of Endocrinology and the
10th Anniversary of an Argentine-German Collaboration "Hy- pothalamus,
Pituitary and Appetite Control". Max- Planck-Institu- te
of Psychiatry, Munich
21.-25.10.2000 American
Society for Reproductive Medicine,
San
Diego (USA)
06.-09.12.2000 8th
World Congress of Gynecological Endocrinology. Florence, Italy.
- Rechtliche Voraussetzungen
für Assistierte Reproduktion in Deutschland
Die
folgenden Auszüge wurden entnommen:
Deutscher Bundestag (14. Wahlperiode), Drucksache 14/1305, 29.06.99; Antwort
der Bundesregierung (Schreiben des Bundesministeriums für Gesundheit vom
24. Juni 1999) auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Christina Schenk und der
Fraktion der PDS - Drucksache 14 /
1093 -
"In der Bundesrepublik
Deutschland gibt es bisher kein Gesetz zur Regelung der Voraussetzung und
Folgen der künstlichen Befruchtung. Einzelfragen werden im
Embryonenschutzgesetz, im Kindschaftsrechtsgesetz sowie durch Rechtsprechung
geregelt.
Das Embryonenschutzgesetz stellt Techniken der künstlichen
Befruchtung unter einen Arztvorbehalt.
Die Bundesärztekammer hat erstmalig 1985 Richtlinien zur
Durchführung der assistierten Reproduktion erlassen. Mit diesen Richtlinien sind der
Ärzteschaft "verpflichtende Regeln gegeben, die strikt einzuhalten
sind" (Deutsches Ärzteblatt 95, Heft 49, 4. Dezember 1998, A-3166).
Ende 1988 hat die Bundesärztekammer die zweite
Novelle der "Richtlinien zur Durchführung der assistierten Reproduktion" veröffentlicht. Die Richtlinien
bestimmen unter anderem die "elterlichen Voraussetzungen" für
eine künstliche Befruchtung (bei IVF und ICSI).
Sie legen eine grundsätzliche
Bindung der Methode an eine bestehende Ehe und die Anwendung im homologen System
(Verwendung des Samens des Ehepartners) fest. Eine Anwendung der Methode bei
nichtverheirateten Paaren darf nur durchgeführt werden, wenn es sich
erstens um heterosexuelle Paare handelt, zweitens "zuverlässig
festgestellt werden kann, dass diese in einer auf Dauer angelegten
Partnerschaft leben" und drittens eine Beratung durch eine bei der
Ärztekammer eingerichtete Kommission erfolgte. Aus Gründen des
Kindeswohls "verbiete es sich, einer alleinstehenden Frau oder
gleichgeschlechtlichen Paaren einen Kinderwunsch zu erfüllen".
Die Anwendung der Methode im heterologen
System (Verwendung des Samens Dritter) ist an ein zustimmendes Votum der
zuständigen Kommission der Ärztekammer gebunden. Die anonyme
Samenspende und Befruchtung wird von den Richtlinien ausgeschlossen.
Familienverbände sowie Lesben- und
Schwulenorganisationen kritisieren die in den Richtlinien enthaltenen
Regelungen. Durch sie erfolgt eine unzulässige Einschränkung des
reproduktiven Selbstbestimmungsrechts von Frauen sowie die Diskriminierung
unverheirateter Menschen, insbesondere von alleinstehenden Frauen sowie
homosexuellen Paaren mit Kinderwunsch. Alleinstehenden Frauen sowie lesbischen
und schwulen Paaren wird die Fähigkeit zu verantwortungsvoller
Elternschaft abgesprochen.
Seit 1994 ist die konkurrierende Gesetzgebung des
Bundes um die künstliche Befruchtung beim Menschen (Artikel 74 Abs. 1 Nr.
26 GG) erweitert worden, so dass seitdem diesbezüglich eine umfassende
Gesetzgebungszuständigkeit des Bundes besteht. Aufgrund dieser erweiterten
Gesetzgebungskompetenz des Bundes berief das Bundesministerium für
Gesundheit eine Bund/Länder-Arbeitsgruppe zur künstlichen Befruchtung
beim Menschen, die von 1996 bis Anfang 1998 in mehreren Sitzungen ein
mögliches Fortpflanzungsmedizingesetz vorbereitet hat; hierzu gibt es im Bundesministerium
für Gesundheit lediglich einen hausinternen Diskussionsentwurf. Siehe
hierzu auch die Antwort der Bundesregierung vom 15. März 1999 auf eine
Frage des Abgeordneten Hubert Hüppe (Drucksache 14/577, Frage 53).
Die 72. Gesundheitsministerkonferenz hat am 9./10. Juni 1999, in einem
Beschluss das Bundesministerium für Gesundheit gebeten, den Entwurf eines
Fortpflanzungsmedizingesetzes vorzulegen; die Konferenz halte es angesichts der
rasch fortschreitenden Entwicklung auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin
sowie des festgestellten Regelungsbedarfs für dringend erforderlich, die
Arbeiten an einem solchen Gesetz wieder aufzunehmen. Das Bundesministerium
für Gesundheit und die übrigen Ressorts der neuen Bundesregierung
haben bisher die fachlichen und politischen Beratungen über die Vorlage
eines Fortpflanzungsmedizingesetzes noch nicht aufgenommen.
Vom 22.-26. Mai 2000 fand
auf Einladung des Gesundheitsministeriums ein Symposion zum Thema
Reproduktionsmedizin in Berlin statt, an dem auch die Gesundheitsministerin
Frau Fischer teilgenommen hat. Im Rahmen dieses Symposions wurden folgenden
Bereiche diskutiert: Präimplantationsdiagnostik, Pränataldiagnostik,
Reproduktionsmedizinische Maßnahmen bei gleichgeschlechtlichen Lebenspartnern,
heterologe Insemination sowie heterologe Befruchtung im Rahmen der assistierten
Reproduktion, Eizellspende, sowie die ethischen, moralischen und rechtlichen
Grundlagen der unterschiedlichen Behandlungsmethoden. Darüber hinaus fand
eine interessante Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen der
Stammzelltherapie statt.
Eine Zusammenfassung des
Symposions zur Reproduktionsmedizin in Berlin folgt in einer separat Anlage.
Im Rahmen der Erarbeitung des geplanten
Fortpflanzungsmedizingesetzes wird insbesondere auch die Frage geprüft
werden, ob und ggf. unter welchen Voraussetzungen eine heterologe
Insemination bei IVF und
ICSI zulässig sein soll. Eine eventuelle Regelung der heterologen
Insemination hätte auf jeden Fall der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts
Rechnung zu tragen, der zufolge das aus Artikel 2 Abs. 1 in Verbindung mit
Artikel 1 Abs. 1 GG folgende allgemeine Persönlichkeitsrecht auch das
Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung umfasst.
Solange die Vaterschaft eines während der Ehe geborenen
Kindes nicht mit Erfolg angefochten wurde, ist Vater des Kindes der Ehemann
(§ 1592 Nr. 1, §§ 1600 ff. BGB). Die vom Gesetz an das
Eltern-Kind-Verhältnis geknüpften Rechte (Umgangsrecht,
Unterhaltsanspruch, Erbrecht) richten sich gegen ihn. Mit der erfolgreichen
Anfechtung der Vaterschaft entfallen diese Rechte. Hat der Ehemann
gegenüber seiner Ehefrau sein Einverständnis zu der heterologen
Insemination erteilt, liegt allerdings ein berechtigender Vertrag zugunsten des
Kindes vor, aus dem der Ehemann weiterhin zur Unterhaltszahlung verpflichtet
bleibt (BGHZ 129, 297).
Die Anfechtung der Vaterschaft
ist nur durch den Ehemann selbst möglich. Eine Anfechtung der Vaterschaft
durch einen Dritten ist nach geltendem Recht nicht möglich.
Nach erfolgreicher Anfechtung der
Vaterschaft des Ehemannes kann das Kind die gerichtliche Feststellung der
Vaterschaft des Samenspenders betreiben (§ 1592 Nr. 3, § 1600 d BGB).
Die Rechte aus dem Eltern-Kind-Verhältnis richten sich alsdann gegen
ihn".
In Baden-Württemberg sind zur Zeit Bestrebungen der LÄK
im Gange, die Ausführungsbestimmungen ("Richtlinien") für
IVF dahingehend zu ändern, daß die Vorbedingung Ehepaar durch Paar
ersetzt wird; Voraussetzung ist die Zustimmung des Kammervorstands und des
Ärztetags in diesem Jahr.
Wichtige Hinweise zur
Durchführung der assistierten Reproduktion in Deutschland befinden sich in
der beigefügten Anlage.
Rechtliche
Voraussetzungen
11.4.1.1
Embryonenschutzgesetz (ESchG)
§ 1
Mißbräuchliche Anwendung von Fortpflanzungstechniken
(I) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit
Geldstrafe wird bestraft, wer
1. einer Frau eine fremde unbefruchtete Eizeile
überträgt,
2. es unternimmt, eine Eizelle zu einem anderen
Zweck künstlich zu befruchten, als eine Schwangerschaft der Frau
herbeizuführen, von der die Eizelle stammt,
3. es unternimmt, innerhalb eines Zyklus mehr als
drei Embryonen auf eine Frau zu übertragen,
4. es unternimmt, durch intratubaren
Gametentransfer innerhalb eines Zyklus mehr als drei Eizellen zu befruchten,
5. es unternimmt, mehr Eizeilen einer Frau zu
befruchten, als ihr innerhalb eines Zyklus übertragen werden sollen,
6. einer Frau einen Embryo vor Abschluß
seiner Einnistung in der Gebärmutter entnimmt, um diesen auf eine andere Frau
zu übertragen oder ihn für einen nicht seiner Erhaltung dienenden
Zweck zu verwenden, oder
7. es unternimmt, bei einer Frau, welche bereit
ist, ihr Kind nach der Geburt Dritten auf Dauer zu überlassen
(Ersatzmutter), eine künstliche Befruchtung durchzuführen oder auf
sie einen menschlichen Embryo zu übertragen.
(2) Ebenso
wird bestraft, wer
1. künstlich bewirkt, daß eine
menschliche Samenzelle in eine menschliche Eizelle eindringt, oder
2. eine menschliche Samenzelle in eine menschliche
Eizelle künstlich verbringt, ohne eine Schwangerschaft der Frau
herbeiführen zu wollen, von der die Eizelle stammt.
(3) Nicht
bestraft werden:
1. in den Fällen des Absatzes 1 Nr. 1, 2 und
6 die Frau, von der die Eizelle oder der Embryo stammt, sowie die Frau, auf die
die Eizelle übertragen wird oder der Embryo übertragen werden soll,
und
2. in den Fällen des Absatzes 1 Nr. 7 die
Ersatzmutter sowie die Person, die das Kind auf Dauer bei sich aufnehmen
will.
(4) In
den Fällen des Absatzes 1 Nr. 6 und des Absatzes 2 ist der Versuch
strafbar.
§ 2
Mißbräuchliche Verwendung menschlicher Embryonen
(1) Wer einen
extrakorporal erzeugten oder einer Frau vor Abschluß seiner Einnistung in
der Gebärmutter entnommenen menschlichen Embryo veräußert oder
zu einem nicht seiner Erhaltung dienenden Zweck abgibt, erwirbt oder verwendet,
wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Ebenso
wird bestraft, wer zu einem anderen Zweck als der Herbeiführung einer
Schwangerschaft bewirkt, daß sich ein menschlicher Embryo extrakorporal
weiterentwickelt.
(3) Der
Versuch ist strafbar.
§ 3 Verbotene Geschlechtswahl
Wer es unternimmt, eine menschliche Eizelle mit einer
Samenzelle künstlich zu befruchten, die nach dem in ihr enthaltenen Geschlechtschromosom
ausgewählt worden ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit
Geldstrafe bestraft. Dies gilt nicht, wenn die Auswahl der Samenzelle durch
einen Arzt dazu dient, das Kind vor der Erkrankung an einer Muskeldystrophie vom
Typ Duchenne oder einer ähnlich schwerwiegenden geschlechtsgebundenen
Erbkrankheit zu bewahren, und die dem Kind drohende Erkrankung von der nach
Landesrecht zuständigen Stelle als entsprechend schwerwiegend anerkannt
worden ist.
§ 4 Eigenmächtige Befruchtung, eigenmächtige
Embryoübertragung und künstliche Befruchtung nach dem Tode
(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit
Geldstrafe wird bestraft, wer
1. es unternimmt, eine Eizelle
künstlich zu befruchten ohne daß die Frau, deren Eizelle befruchtet
wird, und der Mann, dessen Samenzelle für die Befruchtung verwendet wird,
eingewilligt haben,
2. es unternimmt, auf eine Frau ohne deren
Einwilligung einen Embryo zu übertragen, oder
3. wissentlich eine Eizelle mit dem Samen
eines Mannes nach dessen Tode künstlich befruchtet.
(2) Nicht bestraft wird im Fall des Absatz I Nr. 3
die Frau, bei der die künstliche Befruchtung vorgenommen wird.
§ 5 Künstliche
Veränderung menschlicher Keimbahnzellen
(1) Wer die Erbinformation einer menschlichen
Keimbahnzelle künstlich verändert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu
fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Ebenso wird bestraft, wer eine menschliche
Keimzelle mit künstlich veränderter Erbinformation zur Befruchtung
verwendet .
(3) Der Versuch ist strafbar.
(4) Absatz l findet keine Anwendung auf
1. eine künstliche Veränderung der
Erbinformation einer außerhalb des Körpers befindlichen
Keimzelle, wenn ausgeschlossen
ist, daß diese zur Befruchtung erwendet wird,
2. eine künstliche Veranderung der
Erbinformation einer sonstigen körpereigenen Keimbahnzelle, die einer
toten Leibesfrucht, einem Menschen oder einem Verstorbenen entnommen worden
ist, wenn ausgeschlossen ist, daß
a) diese auf einen Embryo, Foetus oder
Menschen übertragen wird oder
b) aus ihr eine
Keimzelle entsteht, sowie Impfungen, strahlen-, chemotherapeutische oder andere
Behandlungen, mit denen eine Veränderung der Erbinformation von
Keimbahnzellen nicht beabsichtigt ist.
§ 6 Klonen
(1) Wer künstlich
bewirkt, daß ein menschlicher Embryo mit der gleichen Erbinformation wie
ein anderer Embryo, ein Foetus, ein Mensch oder ein Verstorbener entsteht, wird
mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft .
(2) Ebenso wird
bestraft, wer einen in Absatz 1 bezeichneten Embryo auf eine Frau
überträgt.
(3) Der Versuch ist
strafbar.
§ 7
Chimären- und Hybridbildung
(1.) Wer es unternimmt,
1. Embryonen mit unterschiedlichen
Erbinformationen unter Verwendung mindestens eines menschlichen Embryos zu
einem Zellverband zu vereinigen,
2. mit einem menschlichen Embryo eine
Zelle zu verbinden, die eine andere Erbinformation als die Zellen des Embryos
enthält und sich mit diesem weiter zu differenzieren vermag,
3. oder durch Befruchtung einer
menschlichen Eizelle mit dem Samen eines Tieres oder durch Befruchtung einer
tierischen Eizelle mit dem Samen eines Menschen einen
differenzierungsfähigen Embryo zu erzeugen,
wird mit Freiheitsstrafe bis zu funf Jahren oder mit
Geldstrafe bestraft .
(2) Ebenso wird bestraft, wer es
unternimmt,
1. einen durch eine Handlung
nach Absatz 1 entstandenen Embryo auf
a) eine Frau oder
b) ein Tier
zu übertragen, oder einen menschlichen Embryo auf ein
Tier zu übertragen.
§ 8
Begriffsbestimmung
(l) Als Embryo im Sinne
dieses Gesetzes gilt bereits die befruchtete, entwicklungsfähige
menschliche Eizelle vom Zeitpunkt der Kernverschmelzung an, ferner jede einem
Embryo entnommene totipotente
Zelle, die sich bei Vorliegen der dafür erforderlichen weiteren
Voraussetzungen zu teilen und zu einem Individuum zu entwickeln vermag.
(2) In den ersten vierundzwanzig Stunden nach
der Eierverschmelzung gilt die befruchtete menschliche Eizelle als
entwicklungsfähig, es sei denn, daß schon vor Ablauf dieses
Zeitraums festgestellt wird, daß sich diese nicht über das
Einzellstadium hinaus zu entwickeln vermag.
(3) Keimbahnzellen im Sinne dieses
Gesetzes sind alle Zellen, die in einer Zell-Linie an der befruchteten Eizelle
bis zu den Ei- und Samenzellen des aus ihr hervorgegangenen Menschen führen,
ferner die Eizelle vom Einbringen oder Eindringen der Samenzelle an bis zu der
mit der Kernverschmelzung abgeschlossenen Befruchtung.
§ 9
Arztvorbehalt
Nur ein Arzt darf
vornehmen:
1. die künstliche Befruchtung.
2. die Übertragung eines
menschlichen Embryos auf eine Frau,
3. die Konservierung eines
menschlichen Embryos sowie einer menschlichen Eizelle, in die bereits eine
menschliche Samenzelle eingedrungen oder künstlich eingebracht worden
ist.
§ 10 Freiwillige Mitwirkung
Niemand ist verpflichtet, Maßnahmen der in § 9
bezeichneten Art vorzunehmen oder an ihnen mitzuwirken.
§ 11
Verstoß gegen den Arztvorbehalt
(l) Wer, ohne Arzt zu
sein,
1. entgegen § 9 Nr 1 eine künstliche Befruchtung
vornimmt, oder
2. entgegen § 9 Nr. 2 einen
menschlichen Embryo auf eine Frau überträgt, wird mit Freiheitsstrafe
bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft .
(2) Nicht bestraft werden im Fall des §
9 Nr. 1 die Frau, die eine künstliche Insemination bei sich vornimmt, und
der Mann, dessen Samen zu einer künstlichen Insemination verwendet wird .
§ 12
Bußgeldvorschriften
(1) Ordnungswidrig handelt, wer, ohne Arzt zu sein,
entgegen § 9 Nr. 3 einen menschlichen Embryo oder eine dort bezeichnete
menschliche Eizelle konserviert.
(2) Die
Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu fünftausend
Deutsche Mark geahndet werden.
§ 13
Inkrafttreten
Dieses Gesetz ist am 1.
Januar 1991 in Kraft getreten.
- Kassenärztliche Vergütung
der Assistierten Reproduktion in Deutschland
Richtlinien des Bundesausschusses der
Ärzte und Krankenkassen über ärztliche Maßnahmen zur
künstlichen Befruchtung ("Richtlinien über künstliche
Befruchtung")* in der Fassung vom 14. August 1990 (veröffentlicht im
Bundesarbeitsblatt Nr. 12 vom 30. November 1990), zuletzt geändert am 01.
Oktober 1997 (veröffentlicht im Bundesanzeiger Nr. 243 vom 31. Dezember
1997) in Kraft getreten am 01. Januar 1998 *Zu recherchieren unter Archivnr.
109823 in der Arzt-Datenbank des DIS-KBV
Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung
dürfen nur durchgeführt werden, wenn hinreichende Aussicht besteht,
dass durch die gewählte Behandlungsmethode eine Schwangerschaft
herbeigeführt wird. Eine hinreichende Erfolgsaussicht besteht für die
jeweiligen Behandlungsmassnahmen in der Regel dann nicht, wenn sie
-
bei der
Insemination im Spontanzyklus (Nr. 10.1) bis zu achtmal,
-
bei der
Insemination nach hormoneller Stimulation (Nr. 10.2) bis zu sechsmal,
-
bei der
In-vitro-Fertilisation (Nr. 10.3) bis zu viermal,
-
beim
intratubaren Gameten-Transfer (Nr. 10.4) bis zu zweimal
vollständig durchgeführt
wurden, ohne dass eine klinisch nachgewiesene Schwangerschaft eingetreten ist.
Darüber hinausgehende Behandlungsversuche bedürfen der Genehmigung
durch die Krankenkasse.
10.1 intrazervikale, intrauterine oder
intratubare Insemination im Spontanzyklus, gegebenenfalls nach Ovulationstiming
- ohne Polyovulation (drei oder mehr Follikel)
10.2 intrazervikale, intrauterine oder
intratubare Insemination nach hormoneller Stimulation zur Polyovulation (drei
oder mehr Follikel),
10.3 In-vitro-Fertilisation (IVF) mit
Embryo-Transfer (ET), gegebenenfalls als Zygoten-Transfer oder als intratubarer
Embryo-Transfer (EIFT= Embryo-Intrafallopian-Transfer),
10.4 intratubarer Gameten-Transfer
(GIFT).
ICSI Abrechnung:
- ICSI war noch nie
Kassenleistung. Im Rahmen der Verhandlungen wurden deutsche Zahlen zur
Sicherheit der ICSI Behandlung gefordert (Fehlbildungen) und von Herrn Prof.
Diedrich eine deutsche ICSI-Studie initiiert.
- Seit dem 1.1.1999 wird IVF
in Zusammenhang mit ICSI nicht mehr von den gesetzlichen Krankkassen bezahlt
(Ausnahmesituation in Bayern; Betriebskrankenkasse von Siemens operiert jedoch
multinational). Die Durchführung von ICSI "infiziert" im
rechtlichen Sinne alle im Zusammenhang mit dieser Behandlung
durchgeführten Leistungen (u.a. Medikamente etc.) (RA Möller, pers.
Mitteilung, BRZ/AGGEF-Treffen, Hamburg 9/99).
-
Privat-Patienten:
Bei
Privat-versicherten Männern Abwicklung von IVF und ICSI über die
Krankenkasse des Ehemanns auf Grundlage des Verursacherprinzips, wenn die
Sterilitätsursache eindeutig dem Mann zugeordnet werden kann.
- Juristische
Hinweise zur Durchführung der IVF-Behandlung
Die in einem zugunsten
eines Krankenhausarztes ergangenen Ermächtigungsbescheid aufgeführten
Leistungen sind prinzipiell immer persönlich von diesem ermächtigten
Arzt auszuführen. Die gelegentlich anzutreffende Übung, nachgeordnete
Ärzte in die ermächtigten Tätigkeiten einzubinden, ist
grundsätzlich unzulässig. Solchermaßen erbrachte Leistungen
dürfen grundsätzlich nicht zu Lasten der KV abgerechnet werden.
Diese
Pflicht zur persönlichen Leistungserbringung hat zur Konsequenz, dass sich
ein ermächtigter Krankenhausarzt im Urlaub - abrechnungstechnisch - nicht
vertreten lassen kann. Die Vertretungsregelung in § 32 Ärzte-ZV
für niedergelassene Vertragsärzte gilt für ermächtigte
Krankenhausärzte nicht.
Krankenhäuser können diejenigen
Operationen, die Bestandteil des dreiseitigen Vertrages sind, ambulant
durchführen und zu Lasten der GKV abrechnen lassen. Eines Ermächtigungsbeschlusses
bedarf es hierzu nicht. Allerdings steht dann das Honorar prinzipiell dem Haus
- und nicht dem durchführenden Arzt - zu. Aus dem Bereich der
Reproduktionsmedizin betrifft dies die Nummer 1186 (Gewinnung von Eizellen zur
IVF mittels Punktion von Follikeln der Ovarien unter Ultraschall) und Nummer
1187 (Gewinnung von Eizellen und inrtatubarer Transfer von Ei- und Samenzellen,
laparoskopisch). Die eigentliche IVF nach Nummer 1188 ist nicht Bestandteil des
Katalogs.
Ein
niedergelassener Vertragsarzt hat keine "Ermächtigung", sondern eine
vollumfängliche Zulassung für sämtliche Tätigkeiten seines
Gebietes. Bezüglich der reproduktionsmedizinischen Tätigkeit
benötigt er außerdem eine Genehmigung nach § 121 SGB V. Als
niedergelassener Vertragsarzt kann er sich von einem anderen Vertragsarzt (z.B. während des
Urlaubs) vertreten lassen. Soweit der Vertreter allerdings Leistungen erbringen
soll, die der Genehmigunspflicht gemäß § 121a SGB V
unterliegen, benötigt er diese Qualifikation. Die Pflicht zur
persönlichen Leistungserbingung gilt auch im Vertragsärztlichen
Bereich uneingeschränkt.
Abrechnungshinweis
für ICSI:
- Ein Abrechnungsvorschlag mit Limitierung der Rechnungsstellung auf 5
Eizellen liegt vom BRZ diesem Schreiben bei. In der angespannten Situation z.Z.
in Deutschland, was das Gesundheitswesen und insb. die Reproduktionsmedizin
betrifft, wäre eine einheitliche Abrechnungslösung in Deutschland
wünschenswert - ein "Preiskampf" eher fatal!
Vor einer ICSI-Pauschalabrechnung mit 5 Eizellen ist mit Patienten,
die in den gesetzlichen Krankenkassen versichert sind, eine vertragliche
Vereinbarung zu treffen. Privatversicherten Patienten sollte empfohlen werden,
die Pauschalabrechnung im Vorfeld von ihrer Krankenkasse genehmigen zu lassen.
§ 27a
Künstliche Befruchtung
(1) Die Leistungen der Krankenbehandlung
umfassen auch medizinische Maßnahmen zur Herbeiführung einer
Schwangerschaft, wenn
1. diese Maßnahmen nach
ärztlicher Feststellung erforderlich sind,
2. nach ärztlicher Feststellung hinreichende
Aussicht besteht, daß durch die Maßnahmen eine Schwangerschaft
herbeigeführt wird; eine hinreichende Aussicht besteht in der Regel nicht
mehr, wenn die Maßnahme viermal ohne Erfolg durchgeführt worden ist,
3. die Personen, die diese Maßnahme in
Anspruch nehmen wollen, miteinander verheiratet sind.
4. ausschließlich Ei- und
Samenzellen der Ehegatten verwendet werden und sich die Ehegatten vor
Durchfuhrung der Maßnahmen von einem Arzt, der die Behandlung nicht
selbst durchführt, über eine solche Behandlung unter
Berücksichtigung ihrer medizinischen und psychosozialen Gesichtspunkte
haben unterrichten lassen und der Arzt sie an einen der Ärzte oder eine
der Einrichtungen überwiesen hat, denen eine Genehmigung nach § 121 a
erteilt worden ist.
(2) Absatz 1 gilt auch
für Inseminationen, die nach Stimulationsverfahren durchgeführt
werden und bei denen dadurch ein erhöhtes Risiko von Schwangerschaften mit
drei oder mehr Embryonen besteht. Bei anderen Inseminationen ist Absatz 1 Nr 2
zweiter Halbsatz und Nr. 5 nicht anzuwenden.
(3) Die Krankenkasse
übernimmt nur die Kosten der Maßnahme nach Absatz 1, die bei ihrem
Versicherten durchgeführt werden.
(4) Der
Bundesausschuß der Ärzte und Krankenkassen bestimmt in den
Richtlinien nach § 92 die medizinischen Einzelheiten zu Voraussetzungen,
Art und Umfang der Maßnahmen nach Absatz 1.
§ 121a
Genehmigung zur Durchführung künstlicher Befruchungen
(1) Die Krankenkassen
dürfen Maßnahmen zur Herbeiführung einer Schwangerschaft
(§ 27a Abs. 1) nur erbringen lassen durch
1. Kassenärzte.
2. ermächtigte Ärzte,
3. ermächtigte ärztlich
geleitete Einrichtungen, oder
4. zugelassene Krankenhäuser,
denen die zuständige Landesbehörde
eine Genehmigung nach Absatz 2 zur Durchführung dieser Maßnahmen
erteilt hat. Satz 1 gilt bei Inseminationen nur dann, wenn sie nach
Stimulationsverfahren durchgeführt werden, bei denen dadurch ein
erhöhtes Risiko von Schwangerschaften mit drei oder mehr Embryonen besteht
.
(2) Die Genehmigung darf
den im Absatz 1 Satz 1 genannten Ärzten oder Einrichtungen nur erteilt
werden, wenn sie
1. über die für die
Durchführung der Maßnahmen zur Herbeiführung einer
Schwangerschaft (§ 27a Abs. 1) notwendigen diagnostischen und
therapeutischen Möglichkeiten verfügen und nach wissenschaftlich
anerkannten Methoden arbeiten und
2. die Gewähr fur eine
bedarfsgerechte, leistungsfähige und wirtschaftliche Durchführung von
Maßnahmen zur Herbeiführung einer Schwangerschaft (§ 27a Abs.
I) bieten.
3. Ein Anspruch auf Genehmigung
besteht nicht. Bei notwendiger Auswahl zwischen mehreren geeigneten Ärzten
oder Einrichtungen, die sich um die Genehmigung bewerben, entscheidet die
zuständige Landesbehörde unter Berucksichtigung der öffentlichen
Interessen und der Vielfalt der Bewerber nach pflichtgemäßem
Ermessen, welche Ärzte oder welche Einrichtungen den Erfordernissen einer
bedarfsgerechten, leistungsfähigen und wirtschaftlichen Durchführung
von Maßnahmen zur Herbeiführung einer Schwangerschaft (§27a
Abs. 1) am besten gerecht werden.
Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und
Krankenkassen über ärztliche Maßnahmen zur künstlichen
Befruchtung (Richtlinien über künstliche Befruchtung)
Die vom Bundesausschuß der Ärzte und
Krankenkassen gemäß § 27a Abs. 4 i.V.m. § 92 Abs. 1 Satz 2
Nr. 10 des 5. Buches Sozialgesetzbuch (SGB V) beschlossenen Richtlinien
bestimmen die medizinischen Einzelheiten zu Voraussetzungen, Art und Umfang der
den gesetzlichen Erfordernissen des § 27a Abs 1 SGB V entsprechenden
ärztlichen Maßnahmen zur Herbeiführung einer Schwangerschaft
durch künstliche Befruchtung.
Leistungsvoraussetzungen
1. Ärztliche
Maßnahmen nach diesen Richtlinien sind nur durchzuführen, wenn die
Maßnahmen zur Herstellung der Empfängnisfähigkeit nach §
27 SGB V (z. B. Fertilisierungsoperation, alleinige hormonelle Stimulation),
die nicht Gegenstand dieser Richtlinien sind, keine hinreichende Aussicht auf
Erfolg bieten, nicht durchführbar oder nicht zumutbar sind.
2. Leistungen zur künstlichen
Befruchtung nach diesen Richtlinien werden nur gewährt, wenn sie im homologen
System
durchgeführt werden, wenn also die Personen, die diese Maßnahmen in
Anspruch nehmen wollen, miteinander
- Medizinische Studien
"Reproduktionsmedizin" der AGGEF in Deutschland:
- Multizenterstudie
zur Bedeutung der Vorkern-Polarisierung : Herr Prof. van der Ven und Herr Dr.
Montag von der Universitäts-Frauenklinik in Bonn haben mit 10 Zentren eine deutsche Multizenterstudie
organisiert, die sich mit der Bedeutung der Polarisierung der Vorkerne
hinsichtlich der Schwangerschaftsrate bei IVF befasst.
Die Studie hat zum Ziel zu
untersuchen, ob die Morphologie der Vorkerne eine Prognose für den
Eintritt einer Schwangerschaft zuläßt. Es soll untersucht werden, ob
die Schwangerschaftsrate bei Patientinnen, bei denen eine Auswahl der zum
Transfer vorgesehenen Vorkernstadien nach morphologischen Kriterien
möglich ist, eine bessere Schwangerschaftsrate aufzeigen, als
Patientinnen, bei denen eine Auswahl der optimalen Vorkernstadien nicht
möglich war. Die Studie basiert auf kürzlich erschienen
Veröffentlichungen (Tesarik & Greco, Hum. Reprod. 1999; 14:1318-1323;
Scott & Smith, Hum. Reprod. 1998; 13:1003-1013).
Studienkoordination:
Dr. M. Montag, Prof. Dr. H. van der Ven, Bonn.
- Deutsche
ICSI-Studie:
Initiiert durch Herrn Prof. Dr. Diedrich in Lübeck und organisiert durch
seinen Mitarbeiter Herrn Dr. Ludwig läuft in Deutschland zur Zeit die
ICSI-Studie, um deutsche Daten zum potentiellen Fehlbildungsrisiko nach ICSI zu
bekommen. Nähere Einzelheiten siehe Zeitschrift: "Frauenarzt".
Bisher
wurden über 2.350 Schwangerschaften jenseits der 16.
Schwangerschaftswoche nach ICSI eingeschlossen. Abgeschlossen wird die Studie
sein, wenn 2.800 Schwangerschaften zum Ende gekommen sind. Dies wird unter
Berücksichtigung der momentanen Rekrutierungszahlen pro Monat etwa Ende
des Jahres 2001 zu erwarten sein.
Dr.
med. Michael Ludwig
Klinik
für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Medizinische Universität
Lübeck
Ratzeburger
Allee 160, 23538 Lübeck, Germany
Tel:
+49(0)4515004821 Fax:
+49(0)4515059324 e-mail:
Ludwig_M@t-online.de
- Ludwig,
M., Diedrich, K. (1999a) Bekanntmachung: Prospektive, kontrollierte Studie zur
Untersuchung der Gesundheit der nach intrazytoplasmatischer Spermieninjektion
(ICSI) konzipierten und geborenen Kinder. Frauenarzt 40:164-167.
- Ludwig,
M., Diedrich, K. (1999b) Die Gesundheit der nach ICSI geborenen Kinder: eine
kritische Beurteilung der vorliegenden Daten. Frauenarzt 40:156-162
Qualitätssicherung
Reproduktionsmedizin in Deutschland
- DIR
(=Deutsches IVF-Register):
Vorsitzender: Prof. Dr. med.
Felberbaum, Lübeck;
Vorstand:
PD Dr. Knuth, Hamburg; Prof. van der Ven, Bonn;
Kuratorium:
Fr. Dr. Blumenauer, Leipzig; Dr. Bühler; Dr. Fiedler, München; Prof.
Sterzik, Ulm; Prof. Strowitzki, Heidelberg
Ziel:
Prospektives Qualitätsmanagement aller IVF-Zyklen in Deutschland;
Auswertung jeweils im November des darauffolgenden Kalenderjahrs (Bericht,
Datenpräsentation der Daten während des IVF-Jahrestreffen).
- Felberbaum
R.E.: Das Deutsche IVF-Register (DIR); Reproduktionsmedizin 15 (1999), 249-253
2. Fertilitätstherapie
2.1 Gonadotropine
- Substanzen: Rekombinante Gonadotropine versus
urinäre; Bedeutung von rek.
LH; Immunreaktion bei urinären Gonadotropinen (s.c. versus i.m.); wichtig
für Patientin ist subcutane (Selbst)-Anwendung.
- Neuentwicklungen: Suche nach weiteren
Gonadotropinrezeptoren (s.u.); Verlängerung der Halbwertszeit und
Erhöhung der Rezeptorbindung/-aktivierung.
- Rekombinantes LH
(Luveris®, Serono) und rekombinantes HCG (Ovidrelle® Serono) befindet
sich zur Zeit noch in der Phase der klinischen Prüfung.
2.2 GnRH-Analoga
- Indikationen:
Ass. Reproduktion, Endometriose, Uterus myomatosus, östrogenabhängige
Tumoren (z.B. Mammakarzinome)
- Wirkstoffe:
- GnRH-Agonisten: (Buserelin) (Hoechst) (kein IVF
mehr!); Nafarelin (Heumann) (einziges Präparat mit IVF-Zulassung!);
Triptorelin (Ferring); Goserelin
(Implantat) (Zeneca); Leuprorelin (Takeda) (s.c.); Wirkung: Down-Regulation des
GnRH-Rezeptor (passager: Flare-up Effekt); Wirkdauer: 1 Tag bis 3 Monate;
Anwendungswege: Injektion (s.c.; i.m.), nasal, Implantat
-
GnRH-Antagonisten:
Cetrorelix (Cetrotide/Asta/Serono) (in Deutschland seit dem 01.01.2000 zugelassen ??); Ganirelix (Organon)(FDA-Zulassung liegt
vor; in Deutschland Zulassung in Kürze); Wirkung: Komp. Hemmung
der GnRH -Rezeptor-Bindung;
Wirkdauer: 1 Tag bis 4 Tage; Anwendungswege: Injektion; Indikationen: Verhinderung der vorzeitigen
Ovulation bei Patientinnen, die sich der kontrollierten ovariellen Stimulation
im Rahmen der Ass. Reproduktion unterziehen. Dosierung: zB. 3 mg (Einmalgabe;
Wirkdauer 4 Tage; z.B. 7. Stimulationstag) oder 0,25 mg täglich (Beginn 5. Stimulationtag für ca.
5-6 Tage).
Als
weiterer GnRH Antagonist befindet sich Antide (Antide, Serono) in klinischer Prüfung.
2.3 Dopaminagonisten
- Wirkstoffe
(T1/2): Bromocriptin (4-8
h)(Pravidel/Novartis); Lisurid (2 h) (Dopergin/Schering); Cabergolin (79-115 h)
(Dostinex/Pharmacia-Upjohn); Metergolin (Liserdol/Wyeth); Quinagolid (24 h)
(Norprolac/Novartis); Anwendung:
oral; vaginal; Wirkung:
Dopamin-(D1) D2-Rezeptoren; Wirkdauer: 2 -115 h.
- Nebenwirkung: Gastrointestinale Nebenwirkungen
(Übelkeit) bei den neuen Produkten geringer (30 % statt 60 %);
Kopfschmerzen; Schwindel, Orthostase seltener.
2.4 Phytopharmaka
- gewinnen
immer größere Bedeutung: z.B. Agnus castus zur Zyklusregulierung
- "natürliche
Produkte" müssen jedoch nicht immer gesund sein; häufig fehlen
Langzeitstudien über Wirkung und Nebenwirkung.
- wichtig
für die Suche nach neuen Wirkstoffen
- Bedeutung
von Umweltgiften (auch pflanzlicher Art) noch weitgehend unklar
2.5 Varia
- Rezeptoren:
Polymorphismen;
Gewebespezifizität; Mutationen; Anzahl und Aktivität
- Rezeptor-Agonisten/Antagonisten
- Down/Up-Regulation
- Suche
nach analogen Rezeptoren durch Genetic Engineering: Vergleich der bekannten
DNS-Sequenzen des menschlichen
Genom-Projekts mit bekannten Rezeptorstrukturen (vgl. Gonadotropinrezeptor)
- Risikokollektiv:
Genetische Grundlagen;
Krankheiten; Lebensgewohnheiten
- Genetic
Engineering als Drug design: z.B.
längere Halbwertszeit der Gonadotropine; bessere Bindungsspezifität;
Screening auf "Gonadotropin-like-acting-substances" = z.B. kleinere
Moleküle mit Rezeptorwirkung
- Umwelt
und Endokrines System:
- Phytoestrogene;
- Schwermetalle und
Fertilität;
- Umweltgifte:
Lindan;
- Immunsystem:
Östrogene beeinflussen u.a. T-Lymphozyten
- Sterilitätstherapie
und Krebs:
Autor:
Klaus Grunwald, Aachen
- Allgemeines: Seit den Arbeiten von Whittemore et al.
(Whittemore et al., 1992a; Whittemore et al., 1992b; Whittemore et al., 1992c)
und Harris et al. (1992) (Harris et al., 1992) über das Risiko der
Entwicklung eines Ovarialkarzinoms nach Sterilitätstherapie wird die
Möglichkeit der Begünstigung einer Karzinogenese durch ovarielle
Stimulationsbehandlungen diskutiert. Im Folgenden wird die derzeitige Datenlage
hinsichtlich Ovarialkarzinom, Mammakarzinom und Endometriumkarzinom
dargestellt.
- Ovarialkarzinom:
Die Ergebnisse der
Arbeiten von Whittemore et al. (Whittemore et al., 1992a; Whittemore et al.,
1992b; Whittemore et al., 1992c) und Harris et al. (Harris et al., 1992) wurden
bereits 1993 durch eine Expertengruppe (Cohen et al., 1993) und auch durch die
Aussagen der Autorin selbst in ihrer Aussagekraft erheblich in Zweifel gezogen.
In der abschließenen Beurteilung der Whittemore-Studien führte die
Expertengruppe aus, daß aus den präsentierten Daten nicht zu
entscheiden ist, ob das beschriebene erhöhte Ovarialkarzinomrisiko auf
Infertilität per se, auf eine Untergruppe von Frauen mit
Infertilität, auf den Gebrauch von fertilitätsfördernden
Medikamenten, auf Studienfehler oder einfach auf Zufall zurückzuführen ist.
Neuere
prospektive Studien (Franceschi et al., 1994; Lunenfeld, 1995; Modan et al.,
1998; Mosgaard et al., 1997; Parazzini et al., 1997; Ron et al., 1987; Shushan
et al., 1996; Venn et al., 1995) mit großen Fallzahlen, die das Risiko
von Sterilitätstherapien für das Ovarialkarzinom untersuchten,
konnten für Stimulationstherapien mit HMG/HCG oder Clomiphen (<6 Zyklen)
kein erhöhtes Risiko für ein epitheliales Ovarialkarzinomrisiko
nachweisen. In einer einzigen Studie neben den Whittemore-Studien konnte ein
erhöhtes Risiko für Ovarialtumoren (Borderline- und maligne Tumoren
zusammen) gezeigt werden, wenn Clomiphen für mehr als 12 Zyklen eingesetzt
wurde (Rossing et al., 1994). Untersuchungen, die die Inzidenz von
Boderline-Ovarialtumoren berücksichtigen (Harris et al., 1992; Parazzini
et al., 1998; Rossing et al., 1994; Shushan et al., 1996) weisen auf ein
erhöhtes Risiko nach Sterilitätstherapie hin unabhängig ob
Clomiphen der Gonadotropine eingesetzt wurden. Abweichend davon konnten
Mosgaard et al. (Mosgaard et al., 1998) zwar ein erhöhtes Risiko für
das Auftreten von Borderline-Ovarialtumoren bei Sterilität, insbesondere
bei Nullipariät, nicht jedoch durch den Einsatz von
Sterilitätsmedikamenten zeigen.
Infertilität
ist ein Risikofaktor für das Ovarialkarzinom unabhängig von der
Nulliparität (Booth et al., 1989; Harlow et al., 1988; Hartge et al.,
1989) Die Erfüllung des Kinderwunsches (die Geburt) stellt einen
Schutzfaktor vor dem Ovarialkarzinom dar. Ebenso zeigt die Mehrzahl der
Untersuchungen, daß Stillen unabhängig von der Parität einen
protektiven Faktor darstellt. Dies bedeutet, daß jede Behandlung, die zur
Geburt eines Kindes führt, eine Verringerung des Risikos für ein
Ovarialkarzinom darstellt.
- Mammakarzinom: Es gibt wenige Untersuchungen zu der
Mammakarzinominzidenz nach Sterilitätstherapie. Eine
Langzeit-Follow-up-Studie (Potashnik et al., 1999) konnte kein signifikant
erhöhtes Risiko für ein Mammakarzinom nach ovarieller
Stimulationstherapie nachweisen. Aufgenommen wurden 1197 Frauen, die im Mittel
17,9 Jahre (21407 Frauenjahre) nachbeobachtet wurden. Ricci et. al. (Ricci et
al., 1999) konnten in einer Fall-Kontroll-Studie ebenfalls kein erhöhtes
Risiko für das Auftreten eines Mammakarzinoms nachweisen (3415
Patientinnen mit einem Mammakarzinom und 2916 Kontrollen). Rossing et al.
(Rossing et al., 1996b) fanden in einer Fall-Kohorten-Studie (3837 Frauen in
Sterilitätsbehandlung) kein erhöhtes Risiko als Folge der Anwendung
von Clomiphen.
- Endometriumkarzinom:
Bisher liegen nur wenige
Informationen zur Inzidenz des Endometriumkarzinoms als Folge einer
Sterilitätsbehandlung mit Gonadotropinen oder Clomiphen vor. Potashnik et
al. (Potashnik et al., 1999) fanden in einer Langzeit-Follow-up-Studie kein
erhöhtes Risiko nach Sterilitätstherapie mit Clomiphen oder
Gonadotropinen. Untersuchungen bei einer Kohorte von 2496 sterilen Frauen in
Israel (Modan et al., 1998) fanden ein signifikant erhöhtes Risko für
das Auftreten eines Endometriumkarzinoms, insbesondere bei Frauen mit normaler
Östrogenproduktion aber verminderter Progesteronsekretion, mithin bei
Ovulationsstörungen. Eine Bedeutung der Sterilitätstherapie für
die Inzidenz des Endometriumskarzinoms ist derzeit nicht sicher
auszuschließen.
- Zervixkarzinom: Da das Zervixkarzinom kein
hormonabhängiger Tumor ist, ist ein Zusammenhang mit der Anwendung von
Gonadotropinen oder Clomiphen unwahrscheinlich; größere Untersuchungen
zu diesem Zusammenhang liegen jedoch nicht vor. Rossing et al. (Rossing et al.,
1996a) fanden in einer Kohortenstudie mit 3837 Frauen, daß die Anwendung
von Clomiphen zu einer signifikanten Verminderung des Risikos ein
Zervixkarzinom zu entwickeln, führte. Potashnik et al. (Potashnik et al.,
1999) fanden kein erhöhtes Zervixkarzinomrisiko nach Gonadotropinen oder
Clomiphen.
- Zusammenfassung:
Ovarialkarzinom:
Derzeit ist anzunehmen, daß durch die ovarielle Stimulationstherapie kein
erhöhtes Risiko für ein epitheliales Ovarialkarzinom besteht; es gibt
jedoch Hinweise, daß Borderline-Ovarialtumoren nach Stimulationstherapie
gehäuft auftreten können (Übersicht: (Shushan et al., 1999)).
Mammakarzinom:
Keine der derzeit vorliegenden Studien weist auf ein erhöhtes
Mammakarzinomrisiko durch die Anwendung von Gonadotropinen oder Clomiphen hin.
Endometriumkarzinom:
Basierend auf wenigen gesicherten Daten hinsichtlich des Endometriumkarzinoms
ist eine Risikoerhöhung für das Endometriumkarzinom durch
Gonadotropine oder Clomiphen bisher nicht nachgewiesen; ein erhöhtes
Risiko besteht bei Sterilität insbesondere bei Zuständen mit
verminderter Progesteronwirkung bei normaler Östrogenwirkung.
Zervixkarzinome:
Eine Aussage zur Inzidenz von Zervixkarzinomen als Folge einer
Sterilitätsbehandlung ist derzeit nicht möglich, wobei jedoch
aufgrund der Tatsache, daß es sich nicht um einen hormonsensiblen Tumor
handelt, ein Zusammenhang unwahrscheinlich erscheint. Vorliegende Daten, die
auf eine Schutzwirkung von Clomiphen hinsichtlich des Zervixkarzinoms
hinweisen, bedürfen weiterer Unterschungen.
- Literaturhinweise
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3. Assistierte Reproduktion
3.1 Physiologie
der Reproduktion:
Autor: Cosima Brucker, Ulm
3.1.1 Physiologie der Spermienreifung und Kapazitation:
Spermatogenese in den Tubuli seminiferi in
zentripetaler Richtung. Dauer ca.
74 Tage.
- Spermatogonien: an der Basalmembran der Tubuli.
Aufrechterhaltung des Bestands an Stammzellen durch mitotische Teilung. Nach
Anfärbbarkeit unterscheidet man Spermatogonien A pale (mitotisch aktiv), A
dark (ruhend) und B (differenziert, letzte Mitose vor Eintritt in die Meiose).
Der Eintritt einer Kohorte von Spermatogonien in die Spermatogenese läuft
in regelmäßigen Abständen ab.
- Nach
mitotischer Teilung entstehen aus Spermatogonien B die Spermatozyten I.
Frühe Spermatozyten I werden durch die Sertoli-Zellbarriere in das
lumenwärts gerichtete Kompartiment transportiert.
- Durch
Meiose entstehen aus einer Spermatozyte I. zwei Spermatozyten II. Ordnungmit
jeweils haploidem Chromosomensatz (22 Autosomen, 1 Geschlechtschromosom). Dauer
der meiotischen Prophase ca. 12 Tage.
- Durch 2.
Reifeteilung entstehen aus einer Spermatozyte II.Ordnung zwei Spermatiden mit
haploidem Chromosomensatz. Die Spermatiden liegen am weitesten lumenwärts.
*Spermiogenese: durch Kernkondensation, Akrosombildung
und Geißelbildung entstehen aus Spermatiden die Spermatozoen. Sie
befinden sich im Lumen der Samenka-nälchen. Dauer der Spermiogenese ca. 3
Wochen. Die Differenzierungsvorgänge werden durch Sertoli-Zellen
unterstützt, die Spermatiden sind dabei in der zukünftigen Kopf-Region
über Adhäsionsmoleküle fest an die Sertoli-Zellen assoziiert.
- Während
des Transports der Spermatozoen durch den Nebenhoden Reifung der Spermatozoen.
Durch sekretorische und resorptive Aktivität des Nebenhodenepithels
Veränderung der Oberflächenmoleküle. Im Corpus epididymidis
Erlangen der propulsiven Motilität. Cauda epididymidis dient als
Spermatozoenspeicher.
Kapazitation: postejakulatorischer Reifungsvorgang im
weiblichen Genitaltrakt, der zum Durchlaufen der Akrosomenreaktion
befähigt. Hierbei Veränderung des intrazellulären Milieus
bezüglich Elektrolytzusammensetzung und pH, Zunahme der Fluidität der
Zellmembran.
*Der Absatz Spermiogenese wird zur Zeit neu überarbeitet.
3.1. 2 Physiologie der Oozytenreifung und
Morphologie der Vorkernbildung
- Oozyten im
normalen Zyklus in ihrer Entwicklung in der 1. meiotischen Reifeteilung
arretiert (Diktyotän).
- Prävulatorischer
LH-Peak initiiert die Wiederaufnahme der 1. meiotischen Teilung und
beeinflußt weitere Veränderungen im Follikel:
- Germinal
vesicle break down (GVBD) 2 Stunden nach dem LH-Peak mit Chromosomenkondensation und einer
Auflösung der Kernmembran,
- Auflockerung
der Kumuluszellen
- Oozyte
durchläuft die Metaphase I bis zur Ausstoßung des ersten
Polkörperchens als
Zeichen der Metaphase II (MII).
3.1.3 Spermatozoon-Eizellfusion:
- zirkuläre
Wellenbewegungen des Ooplasmas mit einer Periodizität von 20 bis 53
Minuten (Phase der Granulation)
- Gleichzeitig
dekondensiert der Spermienkopf, das 2. Polkörperchen wird ausgeschleust
und der männliche Vorkern gebildet.
- Der
weibliche Vorkern bildet sich zeitlich versetzt kurz danach.
- Anschließend
nehmen beide Vorkerne an Größe zu mit einer deutlich nachweisbaren
Bewegung der Nukleoli in den Vorkernen,
- Die
Organellen in der Oozyte kontrahieren sich in Richtung Zentrum der Eizelle (der
Durchmesser der Oozyte variiert zwischen 80 und 260 µm).
3.2 Klassische
Techniken der Assistierten Reproduktion
=
etablierte Standardverfahren:
3.2.1 In-vitro-Fertilisation
(IVF):
Methodenbeschreibung. Nach hormoneller Stimulation der
Ovarien werden die Eizellen durch transvaginale Ultraschallpunktion (in
Einzelfällen auch durch laparoskopische Follikelpunktion) gewonnen. Die
Oozyten werden extrakorporal fertilisiert und ca. 48 h später als
Embryonen transvaginal in den Uterus oder in die Tuben übertragen.
Indikationen:
- Vor Durchführung einer Laparoskopie
oder Ultraschallpunktion zur Eizellgewinnung im Rahmen der
In-vitro-Fertilisation ist eine gewissenhafte Indikationsstellung mit Risikoabwägung
erforderlich, bei der alle alternativ zur Verfügung stehenden
Behandlungsverfahren mit in Betracht gezogen werden sollten. Hierzu zählen
konservative Formen der Sterilitätsbehandlung (z.B. homologe Insemination
bei offenen Tuben etc.). Auch eine Adoption oder eine mikrochirurgische
Refertilisierungsoperation sollten erwogen werden.
- Uneingeschränkte
Indikationen.
Tubenverschluss bzw. tubare Insuffizienz. Mikrochirurgisch nicht therapierbarer
Tubenverschluß bzw. tubare Funktionsstörung (Adhäsionen),
Status nach Tubektomie beidseits.
- Eingeschränkte
Indikationen: Einige
Formen männlicher Fertilitätsstörungen, immunologisch bedingte
Unfruchtbarkeit sowie tubare Funktionsstörung bei Endometriose.
Unerklärbare (idiopathische) Sterilität kann nur als Indikation
angesehen werden, wenn alle diagnostischen und therapeutischen
Möglichkeiten der Sterilitätsbehandlung erschöpft sind.
Kontraindikationen gegen IVF
- Kontraindikaitonen
gegen eine Schwangerschaft,
- Kontraindikaitonen
gegen eine mögliche Narkose,
- Kontraindikaitonen
gegen Anwendung von Gonadotropinen (Allergien).
Risikoaufklärung:
- Da
es sich bei der In-vitro-Fertilisation um einen Wahleingriff handelt, ist eine
detaillierte Risikoaufklärung unbedingte Voraussetzung.
- Gefahr
von Mehrlingsschwangerschaften in 10-20% der Fälle; in unter 5% der
Fälle Drillinge.
- Möglichkeit
einer Gefäß- und Darmverletzung mit eventueller Notwendigkeit einer
Laparotomie über Längsschnitt in unter 1% der Fälle; in weniger
als 1/1000 besteht die Notwendigkeit einer Hysterektomie mit dauerhafter
Kinderlosigkeit als Folge.
- Möglichkeit
von Entzündungen im kleinen Becken, die postoperativ auftreten können
(< 1% der Fälle)
- Möglichkeit
einer ovariellen Überstimulierung mit eventueller Notwendigkeit einer
stationären Aufnahme. Todesfälle sind ohne medizinische Behandlung
möglich (Thromboembolien durch Hämokonzentrierung).
- Die
Aufklärung sollte mündlich und schriftlich erfolgen.
Durchführung: Stimulation der Follikelreifung. Ovulationsauslösung
durch HCG. Ultrasonographisch gesteuerte (oder laparoskopische)
Follikelpunktion zur Eizellgewinnung. Spermagewinnung und Aufarbeitung.
Insemination der Eizellen.
Kultivierung der Eizellen.
Embryotransfer transvaginal in den Uterus (oder in die Tube).
Erfolgsraten:
- Fertilisationsrate:
35,7 %
- Schwangerschaften
pro Zyklus: 20,6 % (12150 Zyklen) (Deutsches IVF-Register, 1998)
- Schwangerschaften
pro Transfer: 22,6 % (11033 Transfers) (Deutsches IVF-Register, 1998)
- Weiterführende
Schwangerschaften pro Transfer: 12,7 % (1400) (Deutsches IVF-Register, 1998)
- Geburten:
1197 (47,9% aller klin. SS) (Lost for follow-up 677; 23% aller klin. SS)
(Deutsches IVF-Register, 1998)
- Geborene
Kinder: 1570 (Deutsches
IVF-Register, 1998)
- Aborte
(n = 545): 21,8% aller klin. SS,
4,5% aller Behandlungszyklen (Deutsches IVF-Register, 1998)
- Mehrlinge:
Einlinge: 873 (72,9%); Zwillinge: 276 (23,6%); Drillinge: 47 (3,9%); Vierlinge:
1 (0,1 %)(Die Prozentangaben beziehen sich auf die Anzahl der Geburten)(Deutsches
IVF-Register, 1998)
Bewertung:
- Seit 1978 praktiziert
- bisher weltweit
schätzungsweise 1 Millionen gezeugte Kinder durch IFV
- in Deutschland bei Annahme einer
Geburtenrate von 18% pro Embryotransfer und Hinzuziehung der Daten der
IVF-Register etwa 22.000 Kinder nach IVF geboren
-
pro
Jahr werden etwa 2000 Kinder in
Deutschland nach einer IVF geboren, wenn man 12.000 IVF-Zyklen mit
Embryotransfer pro Jahr und eine Geburtenrate von etwa 18% pro Zyklus
berechnet.
3.2.2 Intratubarer
Gamententransfer (GIFT)*
Methodenbeschreibung. Ein frei durchgängiger und
funktionstüchtiger Eileiter ist Voraussetzung. Nach hormoneller
Überstimulation der Ovarien werden die Eizellen durch ultrasonographische
oder laparoskopische Follikelpunktion gewonnen und unmittelbar
anschließend, zusammen mit dem vorbereiteten Sperma (100.000 gut
bewegliche Spermien pro Eizelle), in den ampullären Anteil der Tuben
eingespritzt.
Durchführung
bei laparoskopischem Gametentransfer: Überstimulation
der Ovarien. Ovulationsauslösung mit HCG. Laparoskopische oder
ultrasonographische Follikelpunktion. Spermaaufarbeitung und Konzentrierung.
Aspiration von Sperma und Eizellen in einen Transferkatheter. Einführen
des Transferkatheters in den ampullären Anteil der Tube mit Zygotentransfer.
Durchführung beim transvaginalen Gametentransfer: Überstimulation der
Ovarien, Ovulationsauslösung mit HCG. Ultrasonografische Follikelpunktion.
Spermaaufbereitung und Konzentrierung. Aspiration von Sperma und Eizellen in
den Transferkatheter. Einführen des Transferkatheters in den
ampullären Anteil der Tube unter Ultraschallkontrolle (Hysteroskopie)?
(Würfel)
Indikationen
- Einige
Formen männlicher Fertilitätsstörungen, die mit anderen
Therapien einschließlich der intrauterinen Insemination nicht behandelbar
sind.
- Immunologisch
bedingte Sterilität.
- Die
unerklärbare (idiopathische) Sterilität kann nur als Indikation
angesehen werden, wenn alle diagnostischen Maßnahmen durchgeführt
und alle sonstigen therapeutischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.
- Einige
Formen männlicher - mit anderen Therapien einschliesslich der
Intrauterininsemination nicht behandelbarer - Fertilitätsstörungen
und immunologisch bedingte Unfruchtbarkeit.
Kontraindikationen
- Absolute:
Alle Kontraindikationen gegen eine Schwangerschaft.
- Relative:
Durch Anwendung der Methode entstehende, im Einzelfall besonders hohe
medizinische Risiken für die Gesundheit der Frau oder die Entwicklung des
Kindes. Psychogene Sterilität.
Risikoaufklärung
- Risiken
der Laparoskopie
- Allgemeine
Risiken s. "ln-vitro-Fertilisation"
- Möglichkeit
von Eileiterschwangerschaften (10 - 20%)
Erfolgsraten:
- Schwangerschaften
pro Zyklus: keine Angaben (Deutsches IVF-Register, 1998)
- Schwangerschaften
pro Transfer: keine Angaben (Deutsches IVF-Register, 1998)
- Weiterführende
Schwangerschaften pro Transfer: keine Angaben (Deutsches IVF-Register, 1998)
- Geborene
Kinder: 1 (Deutsches IVF-Register, 1998)
Bewertung:
- Seit
1984 weltweit praktiziert (eingeführt durch R. Asch)
- Methode
wird heute kaum noch praktiziert. Im Jahr 1997 wurde nur 1 Kind nach einer
GIFT-Behandlung geboren (Deutsches IVF-Register, 1998)
*Methode wurde nur der Vollständigkeit halber
erwähnt.
3.2.3 Intracytoplasmatische
Spermieninjektion ICSI:
Autor: Michael Ludwig
(Universitäts-Frauenklinik, Lübeck)
Prinzip. Platzierung von kapazitierten Spermien
in das Ooplasma der Eizelle.
Durchführung. Einspritzen von einem kapazitierten
Spermatozoon mit Hilfe einer Mikrokapillare und eines Mikromanipulators unter
mikroskopischer Kontrolle in das Ooplasma. Die Eizelle wird während des
Eingriffs mit einer stumpfen Saugkapillare leicht angesaugt und somit fixiert.
Indikationen: Eine Indikation zur ICSI ist dann
gegeben, wenn bei schwerer männlicher Infertilität oder aufgrund
anderer Gegebenenheiten (z.B. erfolglose Befruchtungsversuche) die
Herbeiführung einer Schwangerschaft höchst unwahrscheinlich ist.
Kontraindikationen: Medizinische Kontraindikationen
Absolute Kontraindikationen:
- Alle
Kontraindikationen gegen eine Schwangerschaft.
Eingeschränkte Kontraindikationen:
- Durch Anwendung
der Methode entstehende, medizinische Risiken für die Gesundheit der Frau.
- Psychogene
Unfruchtbarkeit.
Voraussetzungen:
- Vor
einer ICSI-Therapie muss eine genaue Anamnese, insbesondere eine
Stammbaumanalyse beider Partner (u.a. Fehlgeburten, Totgeburten, Personen mit
körperlichen oder geistigen Behinderungen, andere Familienmitglieder mit
Fertilitätsstörungen) durchgeführt werden. Ergeben sich Hinweise
auf Erkrankungen, die genetisch bedingt sein können, so muss eine Beratung
durch einen Humangenetiker erfolgen.
- Gewinnung
der Spermatozoen:
Die
für die ICSI verwandten Spermien können aus dem Ejakulat, aus dem
Hoden oder den ableitenden Samenwegen (vorwiegend dem Nebenhoden) gewonnen
werden.
Erfolgsraten:
- Fertilisationsrate:
51,9 %
- Schwangerschaften
pro Zyklus: 22,7 % (19966 Zyklen) (Deutsches IVF-Register, 1998) (=
Implantationsrate)
- Schwangerschaften
pro Transfer: 23,5 % (19233 Transfers) (Deutsches IVF-Register, 1998)
- Weiterführende
Schwangerschaften pro Transfer: 12,9 % (19233 Transfers) (Deutsches IVF-Register, 1998)
- Geburten:
2043 (45,2% aller klin. SS) (Lost
for follow-up 1363; 30,1%) (Deutsches IVF-Register, 1998)
- Geborene
Kinder: 2665 (Deutsches IVF-Register,
1998)
- Aborte
(n = 1015): 22,4% bezogen auf
klin. SS; 5,1% bezogen auf alle
Behandlungszyklen (Deutsches IVF-Register, 1998)
- Mehrlinge:
Einlinge: 1498 (73,3%); Zwillinge: 468 (22,9%); Drillinge: 77 (3,8%) ;
Vierlinge: 0 (0%). (%-Angaben bezogen auf Anzahl der Geburten)
Bewertung:
- Seit 1992 zuerst in Belgien
später weltweit praktiziert;
erste
Berichte über tierexperimentelle Erfahrungen mit dieser Technik sind z.T.
bereits vor 30 Jahren gemacht worden.
- Weltweit dürften mehr als
100 000 Kinder nach ICSI geboren worden sein.
- in Deutschland bisher 13
000 Kinder nach ICSI ( Hochrechnung; nach den IVF Registern der vergangenen
Jahre etwa 70 000 ICSI-Zyklen in Deutschland und eine zu erwartenden Geburtenrate von etwa 18 %)
- für
Europa läßt sich die Zahl nur schätzen und sollte - unter
Berücksichtigung der Tatsache, dass in anderen europäischen
Ländern auch aufgrund einer geringeren Bevölkerungsdichte, weniger
ICSI-Zyklen durchgeführt werden - so etwa bei 40 000 liegen.
- in
den USA existiert kein umfassendes Register, eine verläßliche
Schätzung ist schwierig.
- pro
Jahr werden in Deutschland etwa 15 000 IVF Zyklen durchgeführt, so
daß bei einer angenommenen Rate von Lebendgeburten pro Zyklus 2400 Kinder
pro Jahr geboren werden.
- wichtigste
Behandlungsmethode bei Paaren mit stark eingeschränkter männlicher
Fertilität sowie bei bestimmten Formen der idopathischen Sterilität
des Paares.
- Studien/Stellungnahmen
zu chromosomalen Fehlbildungen:
Risikofaktoren
bei der Frau:
-
Risikozunahme mit dem
Alter (Hook 1981)
- drei grössere Studien aus
Deutschland zeigen ein erhöhtes Risiko auch für Frauen bei Paaren mit
männlicher Sterilität:
- Meschede, D.,
Lemcke, B., Exeler, J.R., De Geyter, C., Behre, H.M., Nieschlag, E., Horst J
(1998) Chromosome abnormalities in 447 couples undergoing intracytoplasmic
sperm injection-prevalence, types, sex distribution and reproductive relevance.
Hum Reprod 13:576-582
- Scholtes, M.C.,
Behrend, C., Dietzel-Dahmen, J., van Hoogstraten, D.G., Marx, K., Wohlers, S.,
Verhoeven, H., Zeilmaker, G.H. (1998) Chromosomal aberrations in couples
undergoing intracytoplasmic sperm injection: influence on implantation and
ongoing pregnancy rates. Fertil Steril 70:933-937
- Van der Ven, K., Peschka,B., Montag,
M., R., Lange, G., Schwanitz, H.H., van der Ven (1998) Increased frequency of
cogenital chromosomal aberrations in female partners of couples undergoing
intracytoplasmic sperm injection. Hum Reprod 13:48-54
Risikofaktoren
beim Mann:
-
Deletion des Yq11.23 Bereichs
(molekular-genetisch nachgewiesen) (Schlösser et al. 1997)
-
Congenital bilateral aplasia
of vas deferens (zB. Zystische Fibrose Mutationen im CFTR-Gen) (Dörk et
al. 1997)
-
genetische Faktoren bei
männlicher Sterilität sind und für den deutschsprachigen Raum -
recht ausführlich dargestellt bei:
- Johnson, M.D. (1998) Genetic risks of
intracytoplasmic sperm injection in the treatment of male infertility:
recommendations of genetic counseling and screening. Fertil Steril 70:397-411
- Ludwig, M. and Küpker, W. (1998)
Genetik in der Andrologie. In: Weibliche Sterilität - Ursachen, Diagnostik
und Therapie. K. Diedrich, ed. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York,
Vol. 1., pp. 591-621
Risikofaktoren beim
Paar:
- Chromosomale Störungen bei der Frau oder beim Mann
(z.B. Klinefelter Syndrom)
- Paare mit Genetischen Erkrankungen und Infertilität
(Meschede and Horst 1997).
Follow-up
Studien:
Belgien
Anm.:
Wird nach Ergänzung gelöscht: In one follow-up study of 432
children born after ICSI in Belgium, there was a 3.3 % rate of major
malformations and a 1% rate of chromosome abnormalities (Bonduelle et al. 1998)
which is not increased when compared with spontan pregnancies.
Die Daten der Brüsseler
Arbeitsgruppe wurden mittlerweile auf fast 2.000 Kinder aufgestockt:
- Bonduelle, M., Aytoz, A.,
Wilikens, A., Buysse, A., Van Assche E., Devroey, P., Van Steirteghem, A., and
Liebaers, I. (1998) Prospective follow-up study of 1987 children born after
intracytoplasmic sperm injection (ICSI). In: Treatment of infertility: the new
frontiers. M. Filicori and C. Flamigni, eds. Communications Media for Eduction,
Inc., New Jersey, pp. 445-461.
Bonduelle
et al. (1998)
Fehlbildungen
bei Geburt:
22/1063
geborenen Einlinge (2,1%)
22/805
geborenen Zwillingen (2,7%)
2/98
geborenen Drillingen (2,0%)
11/21
Totgeburten und Spätaborten
46/1966
Lebendgeborene (2,3%)
57/1987
Lebendgeborenen, Totgeborenen und Spätaborten (2,9%)
Fehlbildungen bei der
follow-up Untersuchung nach 1 Jahr
56/1987
Kinder (2,8%)
Australien
- Kurinczuk und Bower (1997) haben eine Fehlbildungsrate
für das Brüsseler Kollektiv von 1996 errechnet (keine eigenen
Daten!). Die Rate von über 7 % beruhte auf einer Fehlklassifizierung der
Brüsseler und läßt sich erklären durch das sehr intensive
Untersuchungsschema von Bonduelle et al. Vergleicht man diese Daten mit einem
ähnlich gut untersuchten Kollektiv, dann liegt die Fehlbildungsrate auch
nach spontaner Konzeption genauso hoch (z.B. Queißer-Luft, A. and
Spranger, J.
(1997)
Fehlbildungen bei Neugeborenen: Mainzer Modell. Kinderarzt, 3764:1-6).
-
Kurinczuk JJ, Bower C
(1997) Birth defects in infants conceived by intracytoplasmatic sperm
injection: an alternative interpretation. BMJ 315: 1260-1266
- Auf dem IVF-Weltkongreß in Sidney wurden
andere Daten vorgetragen, die in der Qualität ihrer Erhebung eher
denjenigen eines passiven Registers entsprachen: es handelt sich nicht um eine Weiterführung der Analysen
von Kurinzuk und Bower! In dieser Studie lag die Fehlbildungsrate im Rahmen
dessen, was man von einer Perinatalstatistik erwarten kann.
- Lancaster PAL, Hurst T, Shafir E (1999) Congenital
malformations and other pregnancy outcomes after microinsemination. Abstract
book. 11th World Congress on In Vitro Fertilization and Human Reproductive
Genetics. 9.-14. May 1999, Sydney, Australia, 58
ABBILDUNG:
Fehlbildungsraten nach ICSI
Schweden
- Wennerholm, U.-B., Bergh, C., Hamberger, L., K.,
Lundin, L., Nilsson, M., Wikland B., Källén (2000) Incidence of congenital
malformations in childrenborn after ICSI. Hum Reprod 15:944-948 (Anm.: 1139 Kinder in der
Studie)(ergänzen!!)
Deutschland
Eine
Langzeit-Followup-Studie von Fehlbildungen nach ICSI-Schwangerschaften unter
Anwendung der Klassifkation nach dem
European Registry of Congenital Anomalies and Twins (EUROCAT) (Eurocat
1991) wurde 1998 in Deutschland begonnen.
In
diese Studie sollen 2800 Kinder nach ICSI und 10000 Kinder nach
Spontanschwangerschaften eingeschlossen werden (vgl. auch S. 12).
Ludwig
M, Al-Hasani S, Küpker W, Diedrich K (1996) Intrazytoplasmatische
Spermatozoeninjektion (ICSI). Überblick über die aktuelle Situation.
Frauenarzt 37: 1624-1634.
Ludwig, M., Al-Hasani, S.,
Ghasemi, M., Gizycki, U., Küpker, W., Diedrich, K., (1999) Intrazytoplasmatische
Spermatozoeninjektion - ICSI (II): Geburt und Gesundheit von 267 Kindern.
Geburtsh. Frauenheilk.; 59; 399.
Ludwig, M., Diedrich, K.,
(1999) In-vitro-Fertilisation und intrazytoplasmatische Spermieninjektion: Gibt
es ein Gesundheitsrisiko für die geborenen Kinder ? Deutsches
Ärzteblatt; 96; 2892-2901.
Europa
Tarlatzis BC, Bili H (1998)
Survey on intracytoplasmatic sperm injection: report from the ESHRE ICSI Task
Force. European Society of Human Reproduction and Embryology. Hum Reprod 13
(Suppl 1) 165-177
Literatur:
Meiser A (2000)
In-vitro-Fertilisation und intrazytoplasmatische Spermieninjektion. Deutsches
Ärzteblatt 97: B-730-B-731
3.2.3 Spermiengewinnung durch TESE und MESA:
Methode: Bei obstruktiver Azoospermie können
Spermien aus dem Nebenhoden aspiriert werden (z.B. "Microsurgical
epididymal sperm aspiration" = MESA oder unter Umständen
"percutaneous epididymal sperm aspiration" = PESA). Bei nicht obstruktiver Azoospermie und/oder schwerster
Oligoasthenoteratozoospermie lassen sich Spermien u.U. aus dem bioptisch
gewonnenen Hodengewebe extrahieren ("testicular sperm extraction" =
TESE).
MESA = Mikrochirurgische
epididymale Spermienaspiration
Autor:
Prinzip. Spermiengewinnung durch
mikrochirurgische Spermienaspiration aus dem Nebenhoden.
- Indikationen
- Kongenitale Agenesie des Vas
deferens (20- 30% der Männer mit obstruktiver Azoospermie).
- Nichtoperable
infektiöse obstruktive Azoospermie (Genitaltuberkulose,
Geschlechtskrankheiten).
-
Erfolglose
Anastomosenoperation nach Vasektomie.
- Durchführung:
Bei der Frau:
- Kontrollierte ovarielle Stimulation;
transvaginale Eizellgewinnung; In-vitro-Fertilisation/intracytoplasmatische
Spermieninjektion
Beim Mann:
- Mikrochirurgische epididymale Spermienaspiration
am besten aus proximal gelegenen Tubulusanteilen.
- Die so gewonnenen Spermien werden
entweder frisch (d.h. zeitgleich mit der Follikelpunktion) verwendet, oder
zunächst kryokonseriert und sekundär - nach dem Auftauen - für
die IVF/ICSI-Behandlung genutzt.
- Bei
Refertilisierungsversuchen parallel MESA-Probe für Kryokonservierung
entnehmen.
- Alternativmethoden. Methoden wie etwa die
operative Anlage einer alloplastischen Spermatozele zur Gewinnung epipidymaler
Spermien haben sich nicht bewährt und gelten heute als obsolet.
- Erfolgsraten:
- Kryo MESA: Fertilisationsrate/COC: 96,7 %
(90 Zyklen; 26 klin. SS; 29,9 % Schwangerschaften/Transfer) (DIR-Register,
1998)
- Bewertung. Durch Anwendung der
mikrochirurgischen epididymalen Spermienaspiration konnten inzwischen
zahlreiche Schwangerschaften bei Patienten insbesondere mit obstruktiver
Azoospermie erzielt werden. Auf internationaler Ebene wurde diese Methode
inzwischen allerdings weitgehend von der TESE-Technik abgelöst.
"Münchner" Kryo-TESE-Konzept (Würfel)
- Hierbei geht es in erster Linie bei
obstruktiven Samenwegsproblemen darum, nach Möglichkeit eine
Refertilisierung durch einen mikrochirurgischen Eingriff zu erreichen.
Abhängig von der Ursache der obstruktiven Samenwegsproblematik können
sehr gute Refertilisierungsraten erreicht werden, freilich nur dann, wenn
dieser Eingriff mikrochirurgisch durchgeführt wird.
- Bei einem Teil der Männer ist
danach eine normale Zeugung möglich, bei einem anderen Teil der
Männer findet man wenigstens Spermatozoen im Ejakulat, so dass eine ICSI
ohne weiteren operativen Eingriff möglich ist. Bei einer dritten Gruppe
von Männern kommt es auch nach einer mikrochirurgischen Refertilisierung
zu einer Persistenz der obstruktiven Azoospermie.
- Es ist deshalb sinnvoll, die MESA
eingebunden in ein Gesamtkonzept zu sehen, das darauf abzielt, die
Zeugungsfähigkeit des Mannes wieder herzustellen. Zeigt sich bei einem
mikrochirurgischen Eingriff intraoperativ, dass die Prognose für eine
Rekanalisation schlecht ist, dann sollten hier Spermien entnommen werden.
Hierfür bietet sich die MESA an.
- Dasselbe gilt natürlich auch in
den Situationen, in denen ein wiederholter Eingriff zur Rekanalisation der
Samenleiter durchgeführt wird; in solchen Fällen ist die Prognose
für eine Wiederdurchgängigkeit natürlich auch schlecht.
Literatur: Würfel,W.,
Fiedler, K., Schleyer, M., Krüsmann, G. (2000) Fertilisation of
cryopreserved and thawed human oocytes (Cryo-Oo) by intracytoplasmic injection
of spermatozoa (ICSI). Ref Gynecol
Obstet, 7, 58-62.
Testikuläre Spermienextraktion
(TESE)
Autor:
- Prinzip:
- bioptische
Gewinnung testikulären Gewebes
- Extraktion
von Spermien nach enzymatischer oder mechanischer Behandlung des Gewebes
- Intracytoplasmatische
Injektion der so gewonnenen Spermien ggef. nach vorheriger Kryokonservierung
der Spermien
- Indikation
- wie bei
MESA
- auch bei
Patienten mit hypergonadotroper Azoospermie möglich
- Durchführung:
- Hodenbiopsie
(durch Chirurgen oder Urologen):
- mehrere
Biopsien aus beiden Hoden
- ein
Gewebefragment vom rechten und eines vom linken Hoden wird histologisch
untersucht
- Probeaufbereitung,
wenn nach histologischem Befund zu befürchten ist, dass keine Spermien in
den PEs zu finden sind (um der Frau einen unnötigen IVF-Zyklus zu
ersparen).
- Gewebetransfer
in separate Kryoröhrchen mit Einfrierlösung (z.B. 0,5 ml Sperm
Freeze)
- Kryokonservierung:
- ca. 30
Minuten Inkubation in Einfrierlösung
- Schnelles
Einfrierprogramm (21oC bis -170o C)
- Lagerung in
flüssigem Stickstoff
- Aufarbeitung
von gefrorenen Hodenbiopsien am Tag der Follikelpunktion:
- Auftauen
bei 37oC, 3 Minuten (Wasserbad)
- Inkubation
in IVF-Medium (mit HEPES) plus Kollagenase (Endkonzentration
400
IU/ml) für 2-4 Stunden je nach Größe der Biopsie
- Herstellung
einer Suspension mit Eppendorf-Pipettenspitzen
- Zentrifugation:
500 bis 800 x g/10 Minuten
- Resuspendierung
in IVF-Medium
- Zentrifugation:
500 bis 800 x g/5 Minuten
- Verwendung
des Pellets für ICSI
- Erfolgsraten:
- Kryo
TESE:
Fertilisationsrate/COC: 47,5 %; 890 Zyklen; 190 klin. SS; 22,9%
Schwangerschaften/Transfer
(Deutsches IVF-Register, 1998)
- TESE: Fertilisationsrate/COC: 46,5
%; 265 Zyklen; 46 klin. SS; 19% Schwangerschaften/Transfer (Deutsches IVF-Register, 1998)
-
Anmerkung:
- Die
für die deutschen IVF-Gruppen o.g. Schwangerschaftsraten für die
TESE-Behandlung sind aufgrund der derzeit limitierten Daten schwer zu
interpretieren. Arbeitsgruppen, die sowohl die MESA, als auch die TESE-Therapie
in großem Umfang einsetzen, sehen keinen signifikanten Unterschied
zwischen der Erfolgsrate beider Behandlungsformen. Im internationalen Vergleich
hat die MESA-Behandlung inzwischen gegenüber der TESE-Therapie deutlich an
Bedeutung verloren.
- Die
Intracytoplasmatische Injektion von Spermienvorstufen kann zum
gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht empfohlen werden.
- Bewertung:
- TESE hat MESA weitgehend abgelöst.
- Im Sinne eines Gesamtkonzeptes,
dass bei obstruktiven Samenleitererkrankungen darauf abzielt die
Zeugungsfähigkeit generell wieder herzustellen, ist die TESE sicherlich
keine Alternative zur MESA. (Würfel)
- Die Verwendung von haploiden Keimzellen
vor der Entwicklung zu Spermien befindet sich noch in der Erprobungsphase und
kann noch nicht generell empfohlen werden.
"Münchner Kryo-TESE-Konzept".
- Im Unterschied zum oben
beschriebenen "Hamburger Kryo-TESE-Konzept" werden die Proben sofort
aufgearbeitet und anschließend portioniert.
- Vorteil: der Eingriff kann
situationsgerechter fortgesetzt werden, zudem ist eine ökonomischere
Verwendung der Proben möglich. Freilich steht dem ein höherer
organisatorischer Aufwand entgegen, da die Männer ja hier
günstigerweise in der Frauenklink behandelt werden müssen.
3.2.4 Kryokonservierung
Zusammenfassung vgl. Abschnitt 3.3.2.2
Bewertung:
- Die
weitere Kultivierung von Eizellen
im Vorkernstadium darf nur zum Zwecke des Transfers und nur mit Einwilligung
beider Eltern vorgenommen werden.
- Kryokonservierung
von Embryonen ist nur
in den im Embryonenschutzgesetz geregelten Ausnahmefällen zulässig,
wenn die im Behandlungszyklus vorgesehene Übertragung nicht möglich
ist (§ 9 Abs. 3 ESchG).
- Kryokonservierung im Vorkernstadium ist eine erfolgreiche Methode zur Nutzung überzähliger
Vorkernstadien, um der Patientin unter Vermeidung einer erneuten Stimulation
und Punktion eine Chance auf weitere Embryonentransfers zu eröffnen.
- Es
sind Vereinbarungen
zu treffen, nach denen Eizellen im Vorkernstadium weder kryokonserviert noch
weiter kultiviert werden dürfen, wenn dies von einem Elternteil verlangt
wird oder wenn ein Elternteil verstorben ist.
- Die
Kryokonservierung von ejakulierten, epididymalen und testikulären
Spermatozoen bzw. von Hodengewebe
kann ohne Einschränkung durchgeführt werden.
3.3 Neue Techniken in der Reproduktionsmedizin
Künstliche Aktivierung von Eizellen
Autoren: M. Montag, H. van der Ven
Prinzip:
Künstliche Aktivierung von Eizellen im Rahmen der assistierten
Reproduktion zur Unterstützung der Initiation der Befruchtungskaskade
Indikationen / Klinische Bedeutung: Die Aktivierung der Eizelle, als einer
der ersten Schritte zur Initiation der Befruchtuchungskaskade, wird durch einen
löslichen Spermienfaktor vermittelt. Dieser Faktor ist z.B. in Spermien
von Patienten mit Globozoospermie nicht vorhanden. Erste Untersuchungen lassen
den Schluß zu, daß auch bei einigen Patienten mit fehlender oder
stark eingeschränkter Fertilisation nach ICSI dieser Spermienfaktor nicht
adequat vorhanden ist. Ebenso scheint der Faktor in runden Spermatiden nicht
immer ausreichend vorhanden zu sein.
Durch eine Zusatzbehandlung mit Kalzium-Ionophor oder einem
rekombinant hergestellten Aktivierungsfaktor können Eizellen nach der ICSI
künstlich aktivert werden und eine weitere Entwicklung hin zum Embryo wird
initiiert.
Erfahrungen:
Erste experimentelle Erfahrungen stammen von Tesarik & Sousa (Fertil.
Steril. 63:343, 1995). Klinisch wurde die Aktivierung mit Kalzium-Ionophor von
Battaglia et al. (Fertil. Steril. 68:118, 1997) bereits angewandt.
Methodik:
Nach Durchführung der ICSI werden die Eizellen für 10-20 min. in
Kulturmedium mit Zusatz von Kalzium-Ionophor (10 µM Endkonzentration)
inkubiert. Bei Einsatz eines rekombinanten Faktors könnte dieser direkt
ko-injiziert werden.
Risiken:
Die Aktivierung mit Kalzium-Ionophor muß als experimentell angesehen
werden. Im Falle eines klinischen Einsatzes muß der Patient auf diesen
Sachverhalt hingewiesen werden. Der Einsatz des rekombinant-erzeugten,
physiologischen Faktors mit entsprechender Aufreinigung würde ein Risiko weitgehend
minimieren.
Bewertung:
Die Methode ist noch als experimentell zu bewerten. Sie wird auch
zukünftig nur als zusätzliche Option bei wenigen Patienten nötig
sein.
3.3.1 Allgemeines:
- Im internationalen Schrifttum sind in jüngster Zeit
eine Reihe von überwiegend labortechnischen Neuerungen publiziert und zum
Teil auch klinisch eingesetzt, die das Spektrum der diagnostischen und
therapeutischen Möglichkeiten beträchtlich erweitern können.
- In Deutschland können einige dieser Methoden aufgrund
der Gesetzgebung nur eingeschränkt oder gar nicht zum Einsatz kommen.
- Ohne auf die spezielle Situation in unserem Lande im
Detail einzugehen, sollen aber in dieser Übersicht die wichtigsten neueren
Techniken dargestellt werden.
3.3.2 Assistierte Reproduktion - neue Techniken
3.3.2.1 In-vitro-Kultivierung
Autor:
In-vitro-Maturation von
Oozyten*
- Prinzip: In-vitro-Reifung unreifer direkt aus dem
Ovar entnommener oder sekundär aus Ovarialbiopsie (vor oder nach
Kryokonservierung) entnommener Eizellen zu einer befruchtbaren Metaphase II
Oocyte.
Eizellen
aus nicht stimuliertem Ovar: Primordial-
oder frühe Präantralfollikel werden aus Ovarialbiopsien oder
Ultradünnschnitten der Ovarialrinde isoliert und in vitro vollständig
weiter gereift. Humane Oozyten unter Erhalt des Kumuluskomplexes (Erhalt der
Gap junctions; besserer Austausch von Nähr- und Kontrollstoffen zwischen
Eizelle und Kumulus; Ernährung und Entgiftung; durch Kumulus wird
Eizelloberfläche um Faktor 1000 vergrößert), lassen sich eher zu Metaphase II-Oozyten
weiterkultivieren (Goud et al., 1998).
Eizellen
aus stimuliertem Ovar: Eizellen
zu einem frühen Zeitpunkt in der Follikelphase werden durch Punktion
gewonnen und anschließend in vitro bis zur Metaphase II kultiviert;
Kurzzeitkultur über ca. 24 h findet bereits klinische Anwendung, wenn nach
konventioneller ovarieller Stimulation im Rahmen der ART auch unreife Oozyten
der Metaphase I gefunden wurden.
- Kulturbedingungen: Je nach Spezies und Reifegrad der
Eizellen scheinen verschiedene Medienzusätze wichtig zu sein:
Unwirksam:
Rekombinantes FSH allein unwirksam.
Günstig:
- Maus: Bei der Maus ist der
Zusatz von 1,5 IU/ml rekombinantem HCG notwendig (Smitz et al., 1998). Bei der
Maus wird der Zusatz von EGF (epidermalem Wachstumsfaktor) (1 und 100 ng/ml)
positiv (Cooper et al., 1998),
durch andere Untersucher als ohne Wirkung bewertet (Merriman et al.,
1998).
- Rind: Bei bovinen Oocyten
Wachstumsstimulation durch Wachstumshormon (Izadyar et al., 1996). Erfolgreiche
IVM und IVF auch möglich in mTCM 199-Medium mit LH-Zusatz (Keskintepe et
al., 1996).
Hemmung:
Die Reifung boviner Oozyten wird durch Zusatz von Follikelflüssigkeit zum
Maturationsmedium gehemmt (Choi et al., 1998).
- Erfahrungen:
- Erste In-vitro-Reifungen von
Oozyten, z.B. bei Rind und Schaf 1975 (Thibault et al., 1975, Moor und
Trounson, 1977).
- Erfolg hängt vom Stadium
der Oocytenreifung ab
Klinische Bedeutung:
- Kurzzeitnachreifung nach
Gewinnung unreifer Oozyten bei IVF-Patienten.
- Eine erfolgreiche
Langzeitkultivierung von Oozyten oder gar die Reifung primordialer Follikel ist
auf absehbare Zeit nicht zu erwarten.
- Eine In-vitro-Maturation ist
nur erfolgreich, wenn kein
hCG gegeben worden ist.
- Risiken:
- Bisher keine bekannt.
Indikationen:
- Induktion
der Eizellreifung unabhängig von der hormonellen Stimulation der Patientin
- Nachreifung
unreif gewonnener Eizellen (bei IVF-Versuch) in vitro mit anschließender
Fertilisierung
- Kryokonservierung von unreifen Eizellen und Ovarialgewebe
bei Patientinnen mit malignen Erkrankungen vor Radiatio oder Chemotherapie;
aber auch bei schwerer Endometriose mit Ovarektomie.
Vorteile:
- Eizellreifung
nach Bedarf unabhängig vom Zeitpunkt der Eizellentnahme; Vermeidung einer
ovariellen Überstimulierung (Überstimulationssyndrom)
Probleme:
- Eizellen
aus nicht stimuliertem Ovar:
Gewinnung von Primordialfollikeln technisch sowohl aus kryokonservierten als
auch aus frischen ovariellen Gewebeproben unproblematisch (Oktay et al., 1998).
Die in vitro-Reifung von Primordialfollikeln befindet sich noch im
experimentellen Stadium.
- Eizellen
aus stimuliertem Ovar:
Cha KY, Chian RC (1998)
Maturation in vitro of immature human oocytes for clinical use. Hum Reprod
Update 4; 103-120
Wu J, Zhang L, Liu P
(1998) A new source of human oocytes: preliminary results on the identification
and maturation of human preantral from follicular aspirates. Hum Reprod 13;
2561-2563
Eine Alternative hierzu ist
sicherlich noch in der Kryokonservierung von Eizellen (nativ) und der
späteren Fertilisation
vermittels ICSI zu sehen. Wir haben hiermit gute Erfahrungen gemacht,
dasselbe gilt für andere Arbeitsgruppen.
Ich denke, dass dies schon
erwähnt werden sollte, da ja die bisherigen Erfahrungen mit der
In-vitro-Maturation von Eizellen (IVM) doch sehr schlecht sind. (Würfel)
PERS STELLUNGNAHME ???
In-vitro-Kultivierung von
Spermien
- Bei der Durchführung der
TESE-Therapie stellt die Motilität der testikulär extrahierten und
konsekutiv intracytoplasmatisch injizierten Spermien einen wichtigen prädiktiven
Faktor für den Erfolg der Behandlung dar. Inzwischen gibt es Hinweise
darauf, dass eine über 24 Stunden durchgeführte In-vitro-Kultivierung
der Spermien (z.B. in HTF (= human tubal fluid)) zu einer Verbesserung der
Spermienmotilität und damit auch zu einer Verbesserung der Erfolgsraten
bei TESE-ICSI führt (Fertil. Steril. 72; 666-669, 1999). Die bisher dazu
vorliegenden Daten lassen allerdings noch keine abschließende Bewertung
im Hinblick auf die Dauer der Kultivierung und die Kulturbedingungen (insbesondere
das Medium) zu.
In-vivo-Kultivierung
In-vivo-Kultivierung von Eizellen
Godsen: Transplantation von
Ovarialgewebe auf Mäuse?
In-vivo-Kultivierung von Spermien
Japan: Kultivierung von
menschlichen Spermien in Mäusehoden.
3.3.2.2 Kryokonservierung
Autor: u.a. Inge
Eberhardt, Heidelberg
Methodik der Kryokonservierung:
- Prinzip: Das Prinzip der Kryokonservierung
besteht darin, die Zellen bzw. das Gewebe zu dehydrieren, bevor es zur Bildung
intrazellulärer, zellschädigender Eiskristalle kommt.
Wesentliche
Punkte, die auf Grund dessen bei der Kryokonservierung zu beachten sind, sind
die Wahl des Einfriermediums, des Einfriersystems sowie die Wahl der
Einfriermethode, wobei dem Prozess der Kristallisation (Seeding) während
des Einfriervorganges besondere Beachtung geschenkt werden muß (siehe
Übersichtsarbeiten: Al-Hasani
S und Ludwig M, 1996; Veek LL, 1996; Siebzehnrübl E, 1995).
- Einfriermedium
und Kryoprotektiva: Das
Einfriermedium besteht aus einem Basismedium (z.B. Zellkulturmedium oder
Phosphatpuffer mit Zusätzen) und einem Gefrierschutzmittel (z.B.
1,2-Propandiol, Dimethylsulfoxid, Glyzerin, wobei 1,2-Propandiol und
Dimethylsulfoxid wesentlich wasserlöslicher sind als Glyzerin und deshalb
besser in die Zellen diffundieren als das klassische noch zur
Spermienkonservierung verwendete Glycerin.)
Gefrierschutzmittel
haben zwei Funktionen: erstens bewirken sie eine Dehydrierung der Zelle (eine
Zelle muß zu 90 % dehydriert sein, damit sie das Einfrieren ohne Schaden
übersteht), zweitens bewirken sie eine Gefrierpunkterniedrigung im
Basismedium und noch viel stärker
in der Zelle (durch Zusatz eines Gefrierschutzmittels wird der
Gefrierpunkt im Medium von
-3 oC / -5 oC
auf mehr als -12 oC gesenkt, in der
Zelle von -10 oC auf -35 oC / -45 oC).
Da
aufgrund dieser Faktoren die Eisbildung im Medium früher einsetzt als in
der Zelle, erhöht sich a) der osmotische Druck und es kommt verstärkt
zur Dehydrierung der Zelle und b) steht durch die später einsetzende
Eisbildung mehr Zeit zur Dehydrierung der Zelle zur Verfügung.
- Einfriersysteme:
Im Bereich der
Reproduktionsmedizin werden überwiegend zwei unterschiedliche
Einfriersysteme eingesetzt: das geschlossene System der Firma Planer und das
offene sogenannte "Erlanger System".
Das
geschlossene System besteht aus einer rundum isolierten Gefrierkammer, die mit
einem Steuerungsgerät und einem Stickstofftank verbunden ist. Das
Gefriergut wird in speziellen Röhrchen und Halterungen in die Kammer
eingesetzt. Durch Einblasen von flüssigem Stickstoff wird die Kammer und
damit die Probe bis zur gewünschten Temperatur kontrolliert
abgekühlt.
Bei
dem offenen System befindet sich der flüssige Stickstoff in einem nach
oben offenen Behälter. Da der Stickstoff verdunstet, bildet sich eine
Gasphase über dem flüssigen Stickstoff. Das Temperaturgefälle in
dieser Gasphase reicht von Raumtemperatur bis -196 oC. Das Temperaturgefälle wird zur Kühlung der Zellen
genutzt. Durch kontrolliertes Absenken der Einfriergefäße wird die
Probe bis zu der gewünschten Temperatur abgekühlt.
- Einfriermethoden: Abhängig von der Abkühlrate
werden die gängigen Einfriermethoden unterteilt in langsame und schnelle
Einfriermethoden.
Langsames Einfrieren: Hier soll exemplarisch eine langsame
Einfriermethode für die Kryokonservierung imprägnierter Eizellen
genauer vorgestellt werden, die so oder in leicht abgeänderter Form von
vielen IVF-Zentren verwendet wird.
Die
Zellen werden zunächst 30 Minuten bei Raumtemperatur in Einfriermedium
(mit z.B. 1,5 M 1,2-Propandiol als Gefrierschutzmittel) inkubiert. Während
dieser Zeit beginnt die Dehydrierung der Zellen aufgrund der sehr viel
höheren Stoffkonzentration im Einfriermedium (osmotischer Effekt).
Dann
beginnt das langsame Abkühlen der Zellen im geschlossenen oder offenen
Einfriersystem, währenddessen die Zellen weiter dehydrieren. Die
Kühlrate beträgt zunächst -1 OC
/ Minute. Bei -6,5 OC wird die
Kristallisierung des Mediums induziert (Seeding ). Die Probe wird dann bei
einer Rate von -0,5 oC / Minute bis
auf eine Temperatur von -80 oC weiter abgekühlt, bevor sie in flüssigen Stickstoff
(-196 oC) transferiert wird. In
Lagerkanistern gefüllt mit flüssigem Stickstoff können die
Proben praktisch unbegrenzt gelagert werden.
Die
Induzierung der Kristallisation (Seeding) bei relativ hoher Temperatur (-6,5 oC) ist sehr wichtig, weil die
zellschädigenden Temperaturschwankungen, die während des
Kristallisationsprozesses (Freiwerden von Kristallisationswärme)
eintreten, dann weniger extrem
sind. Es wurden mehrere Möglichkeiten entwickelt, die
Kristallisation zu induzieren, z.B. manuell durch Berühren des
Probenröhrchens mit einer in Stickstoff gekühlten Pinzette.
Schnelles
Einfrieren - Vitrifikation:
Die übliche Kryokonservierung von Säugerzellen ist ein langsamer
Tieffriervorgang mit einer exakten Kontrolle der Eisbildung. Die Vitrifikation
ist eine Methode, bei der die Eisbildung vermieden wird. Dabei werden
Kryoprotektiva in hoher Konzentration verwendet, der Zusatz von
Polyäthylenglykol ist günstig. Der Gefrierpunkt ist bei dieser Methode
stark erniedrigt. Bei Abkühlung kommt es zu einem viskösen Zustand
der Lösungen und schließlich zu einem glasartigen Endzustand.
Ein
Nachteil dieser Methode ist, daß es leicht zur Schädigung der Zellen
kommt, wenn die Inkubationszeiten nicht äußerst genau eingehalten
werden.
- Literaturhinweise:
- Al-Hasani S und Ludwig M
(1996) Kryokonservierung von Oozyten im Vorkernstadium. Gynäkologe 29: 474
- Veek LL, Cryopreservation of
embryos/eggs, in: Adashi EY, Rock JA, Rosenwaks Z (1996) Reproductive Endocrinology,
Surgery, and Technology, Lippincott-Raven Publishers, Philadelphia
- Siebzehnrübl E, Der
Stellenwert der Kryokonservierung in der Reproduktionsmedizin - nur
Ergänzung oder fester Bestandteil?, in: Fischl FH (1995) Kinderwunsch
Krause & Pachernegg GmbH, Verlag für Medizin und Wirtschaft, Wien
Klinik der
Kryokonservierung
2.2.2.1 Kryokonservierung von
imprägnierten Eizellen und Embryonen:
- Indikationen:
- wenn eine
größere Anzahl von imprägnierten Eizellen (Eizellen im
Vorkernstadium) oder Embryonen erzeugt wird, als in einem IVF-Zyklus
transferiert werden kann oder darf. Die Kryokonservierung verhindert dann
höhergradige Mehrlingsschwangerschaften und führt zu einer
höheren Schwangerschaftsrate pro Zyklus.
- Verhinderung der
Progredienz eines ovariellem Überstimulationssyndrom durch die
Kryokonservierung der imprägnierten Eizellen oder Embryonen oder durch das eventuelle Eintreten
einer Schwangerschaft.
- Kryokonservierung von
Embryonen als Notfallmaßnahme, wenn die Patientin Fieber oder andere
ernsthafte Erkrankungen zum Zeitpunkt des Embryotransfers bekommt.
- Ovarialinsuffizienz
oder vorzeitiger Menopause
- postmenopausale Frauen
mit Kinderwunsch, bei denen eine Schwangerschaft mit Hilfe von Eizell- bzw
Embryospende herbeigeführt werden soll (???).
- Methodik: siehe Abschnitt 2.2.1
- Erfolgsrate:
- Bei Verwendung von
eingefrorenen/aufgetauten Eizellen im Vorkernstadium liegt die
weiterführende Schwangerschaftsrate pro Transfer lt. Auswertung des
Deutschen IVF-Registers (DIR) über die Jahre hinweg bei etwa 10%.
- Schwangerschaften pro
Zyklus: 11,3% (1823 Zyklen) (Deutsches IVF-Register, 1998)(= Implantationsrate)
- Schwangerschaften pro
Transfer: 11,3% (1808 Transfers) (Deutsches IVF-Register, 1998)
- Weiterführende
Schwangerschaften pro Transfer: 6,1% (100 SS) (Deutsches IVF-Register, 1998)
- Geburten: 100 (47,9%
aller Schwangerschaften) (Lost for follow-up 35; 16,8% (Deutsches IVF-Register,
1998)
- Geborene Kinder: 122
- Aborte: 30,62% (n=64)
(bezogen auf alle klin. SS); 3,5% (n = 64) (bezogen auf alle Kryo-Zyklen)
(Deutsches IVF-Register, 1998)
- Mehrlinge: Einlinge: 81
(81%); Zwillinge: 16 (16%); Drillinge: 3 (3%) (%-Angaben bezogen auf Anzahl der
Geburten)
- Bewertung:
- Die Kryokonservierung
imprägnierter Eizellen und Embryonen ist fester Bestandteil der klinischen
Routine.
- Die vorherige
Kryokonservierung der befruchteten Eizellen bzw. der Embryonen ist insofern
eine sinnvolle Vorgehensweise, weil dadurch die Notwendigkeit der
Synchronisierung der Zyklen von Spenderin und Empfängerin entfällt.
- In Deutschland ist die
Kryokonservierung von Eizellen nur im Stadium der Vorkerne zulässig (auch unbefruchtete EZ
möglich).
Kryokonservierung von Embryonen ist nur in den im Embryonenschutzgesetz
geregelten Ausnahmefällen zulässig, wenn die im Behandlungszyklus
vorgesehene Übertragung nicht möglich ist (§ 9 Abs. 3 ESchG).
- Es sind Vereinbarungen
zu treffen, nach denen Eizellen im Vorkernstadium nicht weiter kryokonserviert
werden dürfen, wenn dies von einem Elternteil verlangt wird oder wenn ein
Elternteil verstorben ist.
- Die Kryokonservierung ist eine
erfolgreiche Methode zur Nutzung
überzähliger imprägnierter Eizellen (Eizellen im Vorkernstadium)
und Embryonen. Durch die Kryokonservierung wird der Patientin unter Vermeidung
einer erneuten Stimulation und Punktion eine Chance auf weitere
Embryonentransfers eröffnet.
- Literaturhinweise:
- Ludwig, M., Al-Hasani, S.,
Felberbaum, R., and Diedrich, K. (1999) New aspects of cyropreservation of
oocytes and embryos in assisted reproduction and future perspectives. Hum.
Reprod., 14 (Suppl):162-185
- Gook,D.A.,
Edgar, D.H., et al. (1998)
Fluorescent study of chromatin and tubulin in apparently unfertilized human
oocytes following ICSI. Mol-Hum-Reprod.4: 1130-5.
- ????? (1999) Cryopreservation of the human
female gametes and future issues. Hum Reprod 14:2938-2940
Kryokonservierung
von Eizellen:
Autor:
- Indikationen:
- Die Kryokonservierung von reifen Eizellen
(Eizellen in der Metaphase II der Meiose), die in vielerlei Hinsicht
wünschenswert wäre, hat vorerst noch experimentellen Charakter, wobei
denudierte Eizellen das Einfrieren besser zu überstehen scheinen als
Eizellen mit Kumuluskomplex (Gook et al, 1993)* vgl. Kazem et al 1995, Hum Reprod 10,2650. Die Kryokonservierung von unreifen
Oozyten scheint von Vorteil zu sein (Tucker et al., 1998).
- Intakte
Schwangerschaften nach Kryokonservierung von Oozyten sind selten. Beim Menschen
wurde 1983 in Australien die erste Schwangerschaft nach Transfer eines
kryokonservierten achtzelligen Embryos erzielt. Die Schwangerschaft endete in
einem Abort (Trounson A, Mohr L, 1983). Die Geburt des ersten Kindes, das als
Embryo tiefgeforen war, wurde 1984 von Zeilmaker et al. aus Holland berichtet.
- Methodik: siehe Abschnitt 2.2.1
- Bewertung:
- Wegen der
schlechten Erfolgsaussichten haben fast alle IVF-Teams das Einfrieren von
nicht-imprägnierten Eizellen eingestellt (Van der Elst et al., 1997).
- Außerdem
wird die genetische Sicherheit dieser Methode in Frage gestellt: es gibt
Hinweise dafür, daß die Polyploidierate nach Kryokonservierung von
unbefruchteten Eizellen signifikant erhöht ist (Glenister et al., 1987).
- Es ist richtig, dass in der
üblichen IVF-Kultur schlechte Erfolgsaussichten bei der Kryokonservierung
von Eizellen zu unterstellen sind. Dies ist meines Erachtens aber nicht mehr
Stand der Methode.
- Wenn Eizellen
kryokonserviert werden, dann sollten sie unabdingbar anschließend durch
ICSI fertilisiert werden. Zwar bleibt dann noch das Problem der erhöhten
Degenerationsrate, die Fertilisationsrate ist aber - wie bei ICSI mit frischen
Eizellen - sehr hoch (Würfel)
- Literaturhinweise:
- Gook D A, Osborn S M, Johnston W I H
(1993) Crypreservation of mouse and human oocytes using 1,2 propandiol and the
configuration of the meiotic spindle. Hum Reprod 8, 1101 - 1109
- Tucker MJ, Wright
G, Morton PC, Massey JB (1998) Birth after cryopreservation of immature oocytes
with subsequent in vitro maturation. Fertil Steril 70: 578-579.
- Trounson A, Mohr
L (1983) Human pregnancy following cryopreservation, thawing and transfer of an
eight-cell embryo. Nature 305: 707
- Zeilmaker GH,
Alberda AT, Van Gent I, Rijkmans C, Drogendijk AC (1984) Two pregnancies
following transfer of intact frozen-thawed embryos. Fertil Steril 42: 293
- Van der Elst J,
Verheyen G, Van Steirteghem A,
Cryopreservation: Sperms and Oocytes in: Rabe T, Diedrich K, Runnebaum B (1997)
Manual on Assisted Reproduction. Springer Verlag, Berlin Heidelberg
- Glenister PH,
Wood MJ, Kirby C, Whittingham DG (1987) Incidence of chromosome anomalies in
first-cleavage mouse embryos obtained from frozen-thawed oocytes fertilized in
vitro. Gamete Res 16: 205
- Würfel W,
Schwarzer U, Krüsmann G, Schleyer M, Fiedler K, Ovens-Raeder A, Wiedemann
U, Böhm I, Waldenmaier C (1999) Das "Münchner" Kryo-TESE-Konzept. J Fertil Reprod 1:
32-37
Kryokonservierung
von Ovargewebe:
Autor:
- Indikationen:
- Bei onkologischen Erkrankungen (z.B. M.
Hodgkin) stellt die Kryokonservierung von ovariellem Rindengewebe mit
Primär- und Sekundärfollikeln eine präventive therapeutische
Maßnahme bei Chemo- oder Strahlentherapie dar, wenn sie später mit
der In-vitro-Reifung der Eizellen verbunden wird. Dazu müssen die Eizellen
nach dem Auftauen aus dem Ovarialgewebe isoliert und in vitro nachgereift
werden, bevor sie mit den Spermien des Partners befruchtet werden können.
Die SS-Rate ist bisher gering.
- Beidseitige Ovariektomie bei
schwerer Endometriose wäre ebenfalls eine Indikation für eine solches
Vorgehen.
- Methodik: Kryokonservierung von Ovargewebe wurde
ausführlich von Nawroth und Sudik (1999) beschrieben
- Erfolgsraten:
- bisher
noch gering; experimentelle Methode
- Bewertung:
- bisher noch keine etablierte
Methode
- wenn klinisch einsetzbar,
sicherlich wichtige Möglichkeit zur Erhaltung von Ovarialgewebe für
Gewinnung befruchtungsfähiger Eizellen durch in vitro Maturation.
- Literaturhinweis:
- Nawroth F, Sudik R (1999)
Methodische Probleme und klinischer Nutzen der Kryokonservierung von
Ovarialgewebe sowie der In-vitro-Reifung von Follikeln und Oozyten.
Reproduktionsmedizin 15: 115-123.
Literatur erweitern -
Internet Lit
Kryokonservierung von Spermien:
Autor: u.a. Inge
Eberhardt, Heidelberg
- Indikationen:
- Das Einfrieren von
Spermien und Hodenbiopsat stellen andrologische Indikationen für
Kryokonservierung im Rahmen der assistierten Reproduktionsmedizin dar.
- So wird bei heterologer
Insemination in der Regel kryokonserviertes Sperma von Samenbanken verwendet.
- Die Isolierung von
Spermien aus Hodenbiopsat (TESE = testicular sperm extraction) ist indiziert
bei Verschluß der samenableitenden Wege oder bei Vorliegen genetischer
Aberrationen wie z.B. Klinefelter Syndrom.
- Methodik:
-
Standardmethode, die
insbesondere als Fertilitätsprophylaxe bei malignomerkrankten Männern
genutzt wird, die sich einer gonadotoxischen Chemotherapie oder Radiatio
unterziehen müssen; darüber hinaus zur Konservierung von Spendersamen
vor heterologer Insemination angewandt;
-
In jüngster Zeit
auch immer häufiger angewandt, um Spermien, die bei Patienten mit
Azoospermie mit Hilfe der Testikulären Spermienextraktion (TESE) bzw. der
Mikrochirurgischen-Epididymalen-Spermienaspiration (MESA) gewonnen wurden zu
konservieren und konsekutiv im Rahmen der Intracytoplasmatischen
Spermieninjektion (ICSI) zu nutzen.
-
Die Zellen werden mit
speziellem Gefrierpuffer gemischt und mit Hilfe halb- oder vollautomatischer
Systeme schrittweise, oder rapide auf - 196°C abgekühlt und in
flüssigem Stickstoff gelagert.
-
Die "straws"
mit den Spermienfraktionen werden bei Raumtemperatur oder im Wasserbad
aufgetaut und können anschließend - je nach Qualität der Probe
und geplanter Therapieform - zur Insemination, IVF oder ICSI verwandt werden.
- Erfolgsraten:
- Gewinnung vitaler
Spermien nach Kryokonservierung hängt von Spermaqualität vor dem
Einfrieren ab.
- bei
Normozoospermie: 60-70 % der eingefrorenen Spermien nach Auftauen wieder vital.
- Bewertung:
- Die Kryokonservierung von ejakulierten,
epididymalen und testikulären Spermatozoen bzw. von Hodengewebe kann ohne
Einschränkung durchgeführt werden.
- Der Vorteil des
vorübergehenden Einfrierens des Hodengewebes liegt darin, daß die
Gewinnung der Biopsie und der IVF-Versuch zeitlich entkoppelt werden
können.
-
Die Kryokonservierung
von Spermienvorstufen (z.B. runden Spermatiden oder elongierten Spermatiden)
ist bisher nicht etabliert bzw. bleibt derzeit experimentellen Fragestellungen
vorbehalten.
- In Zukunft evtl.
Gefriertrocknung von Sperma möglich; erste Vorversuche bereits erfolgreich
abgeschlossen (Vorteil: Langzeitlagerung im Kühlschrank möglich!;
daher geringe Kosten!)
- Literaturhinweise:
Kryokonservierung
von Hodengewebe
- Indikationen:
-
Das im Rahmen einer
Hodenbiopsie gewonnene Gewebe kann kryokonserviert werden, um nach dem Auftauen
zu einem späteren Zeitpunkt Spermien zur ICSI-Behandlung zu extrahieren.
-
Wird insbesondere bei
Männern mit Azoospermie angewandt, bei denen die o.g. Kryokonservierung
ejakulierter Spermien nicht möglich ist.
- Erfolgschancen:
- Der Erfolg der
ICSI-Methode ist nahezu unabhängig davon, ob ejakulierte Spermien
verwendet wurden, oder ob die Zellen aus dem Nebenhoden oder dem Hodengewebe
gewonnen wurden. Ebenso sind die Fertilisierungs- und Schwangerschaftsraten bei
Verwendung frischer bzw. kryokonservierter und aufgetauter Spermien
vergleichbar.
- Literaturhinweise:
3.3.2.3 Kokultur:
Autor: Suat Parta (Arbeitsgruppe
Reproduktionsmedizin, Heidelberg)
- Prinzip: Primär dienten sie als Methode den Stop
der embryonalen Entwicklung in vitro in konventionellen Kulturmedien zu
überwinden. Für die Kokultur wurde eine Vielzahl verschiedener Zellen
angegeben, z.B. Vero-Zellen (Menezo et al., 1995) oder Tubenzellen (Walker et
al., 1997, Yad)
Im Vergleich zum Tiermodell
entwickeln sich beim Menschen trotz bester Laborbedingungen nur 25- 30% der
Embryonen zu einer expandierenden Blastozyste. Konventionelle Kultursysteme
sind nicht in der Lage, die
In-vivo Umgebung der menschlichen Tube, in dem Fertilisation und frühe
Teilungsstadien erfolgen, zu
simulieren. Diese Kulturmedien sind gewöhnlich ein Gemisch aus Salzen,
Glucose, Antibiotika und einer
Proteinquelle, gewöhnlich maternalem Serum oder Serumersatz. Viele der
in-vivo vorhandenen
embryotrophischen Faktoren stehen dem Embryo in-vitro nicht zur
Verfügung. Dadurch resultieren
möglicherweise eine Verzögerung der Teilungsrate und
Schwierigkeiten, einen In-vitro-Block in der Zeitspanne zwischen Tag 2 und 3 zu überwinden,
während der die Aktivierung des embryonalen Genoms erfolgt. Die exakte Rolle der
Helferzellen in der Kokultur ist nicht klar. Es erfolgt jedoch sowohl eine
negative Konditionierung wie
Entfernen von schädlichen Komponenten aus dem Kulturmedium, als auch
eine positive Konditionierung wie Freisetzung
von embryotrophischen Komponenten des Kulturmediums durch die Helferzellen.
- Negative
Konditionierung des Kulturmediums:
1. Abtransport von Hypoxanthin; diese
verursacht z.B. im Mausembryo den Zwei-Zell-Block
2. Stabilisierung der physiko-chemischen
Kulturbedingungen (pH, O2, CO2) und die Verminderung von Sauerstoff-Metaboliten.
3. ”Redisigning des
Kulturmediums” durch die Reduzierung des Glucose-Levels und die
Erhöhung des Pyruvat- sowie Lactat-Levels.
- Positive
Konditionierung des Kulturmediums:
1. Sekretion von Antioxidantien; z.B.
Taurine
2. Sekretion von Glycoproteinen
3. Sekretion von Wachstumsfaktoren; z.B.
transforming growth factor (TGFß1), insuline-like growth-factor (IGF) und
deren Bindungsprotein 1 (IGFBP-1), colony stimulating factor (CSF),
leukemia inducing factor (LIF),
interleukins (IL-6) und epidermal growth factor (EGF)
4. weitere nicht identifizierte
embryotrophische Faktoren wie z.B. niedermolekulare Fraktionen von konditioniertem Medium, die im Test
einen positiven Kokultur-Effekt verursachen
Helferzellen: Im homologen Kokultur-System
kultiviert man Embryonen und Helferzellen, wie Granulosa-Lutealzellen (Freeman et al. 1995) oder
Endometriumzellen (Simon et al. 1999, Jayot et al. 1995, Nieto et al. 1996, Barmat et al. 1999) derselben
Patientin. Im heterologen System werden gewöhnlich Zellpools mehrerer Patientinnen verwendet (Bongso et al.
1992). Zudem werden nicht humane Zellen wie Verozellen (Lai et al. 1996) oder
Rattenhepatozyten (Hu et al. 1998)
für Kokulturen verwendet.
- Vorteile: Kokulturtechniken werden mit
dem Ziel einer Verbesserung der Blastozystenqualität und somit einer gesteigerten Implantationsrate
eingesetzt.
- Indikationen:
1. Blastozystenkultur
2. Spezielle Subgruppen von Patienten, wie
z.B. Implantationsversager (wiederholt erfolglose IVF-Versuche) und/oder
Patienten mit endokrinen Störungen (z.B. PCO-Syndrom)
- Risiken: Die Vorkommnisse von
HIV-Infektionen durch verseuchte Blutkonserven und das Erscheinen der BSE-
Erkrankung in den letzten Jahren sowie die damit aufkommende Diskussion um die
Creutzfeldt-Jakob Erkrankung
verdeutlichen die potentiellen Gefahrenquellen durch Kokulturen, die nur im
humanen homologen System auch
ethisch vertretbar erscheinen.
- Bewertung: Durch die neue Generation der
sequentiellen Medien für die Blastozystenkultur verliert die Kokultur immer mehr an Bedeutung.
Die schlechte
Entwicklungspotenz menschlicher Eizellen wird sicher nicht durch eine Kokultur
zu beheben sein. Es ist lange bekannt, dass 25-40% aller Eizellen aneuploid
sind (Trounson 1999).
- Literaturhinweise:
Wiemer KE, Cohen J,
Tucker MJ, Godke RA 1998 The application of co-culture in assisted
reproduction: 10 years of experience with human embryos Human Reproduction, Vol
13, Suppl 4, Dec. 1998
Bongso A 1999
Handbook on Blastocyst Culture Sydney Press Indusprint (S) Pte Ltd, 1999
3.3.2.4 Elektrofusion:
Autorin: Ute
Weißenborn, AG Reproduktionsbiologie des Menschen
- Prinzip: Die Elektrofusion stellt eine nicht-toxische, schnelle Methode zur
Fusion von gleichartigen oder untersehiedlichen Zellen oder von Cytoplasten mit
Karyoplasten dar. Die Fusion basiert wahrscheinlich auf einem reversiblen
Zusammenbruch des Membranpotentials im Bereich des Membrankontakts zwischen den
Zellen und der Bildung von Membranporen. Die sich berührenden Membranen
werden sehr schnell zu einer einzigen Membran repariert.
- Durchführung: Cytoplast und Karyoplast
werden mit Mikrokapillaren praäpariert. Fusionsionsbedingungen:
Fusionskammer mit zwei Elektroden, geeignetes Medium (z.B.
Mannitol-Lösung), Feldstärke von ca. 1 kV/cm, Pulsdauer 50-100
Mikrosekunden, ein bis mehrere Pulse. Eventuell vorher Wechselspannungspulse um
die zu fusionierenden Zellen im elektrischen Feld so auszurichten, dass sie mit
ihren Membranen senkrecht zum elektrischen Feld stehen. Faktoren, die die
Elektrofusion beeinflussen: Pulsparameter (Feldstärke und Dauer);
Ionenstärke des Mediums, in dem die Fusion durchgeführt wird;
Membranbeschaffenheit (insbesondere der Lipidgehalt) der Zellen; Behandlung der
Zellen nach Elektrofusion (z.B. Inkubation bei niedrigen Temperaturen).
- Erfahrungen:
- Somatische Hybridisierung von
Pflanzen-Protoplasten, aus denen vielkernige Zellen mit den vollständigen
kombinierten Genomen von jedem Zelltyp entstehen
- Somatische
Hybridisierung von Säugetierzellen: Bildung von Hybridomen zur
Antikörperproduktion, Fusion von einzelnen Zellen mit Geweben, Fusion von
Blastomeren
- Klonale Bildung von
Säugetierembryonen: Fusion von Cytoplasten und Karyoplasten
- Indikationen:
- Risiken: nicht bekannt
- Vorteile: Nicht-invasive
Methode ohne Verwendung von toxischen Agenzien. Biologische Strukturen oder
Funktionen von Target-Zellen werden offensichtlich nicht verändert oder
beeinträchtigt. Die Elektrofusion ist relativ leicht durchzuführen
und effizienter als herkömmliche chemische (Polyethylenglykol,
Lysolecithin) oder biologische (inaktivierte Sendai-Viren) Fusionstechniken.
- Literaturhinweise:
-
Chang, D.C., Chassy, B.M.,
Saunders, J.A., Sowers, A.E.: Guide to Electroporation and Electrofusion.
Academic Press, Inc. (San Diego, New York, Boston, London, Sydney. Tokio,
Toronto), 1992
3.3.2.5 Assisted
Hatching:
Autor: M. Montag, H. van der Ven (Uni.-Frauenklinik, Bonn)
- Prinzip: Durch
eine partielle Eröffnung der Zona pellucida des sich entwickelnden Embryos
mit Hilfe von Mikromanipulationsmethoden (Mechanisch; Saure Tyrodelösung;
Diodenlaser) wird das Ausschlüpfen der Blastozyste erleichtert und damit
die Chance auf eine nachfolgende Implantation verbessert.
- Indikationen: Assited Hatching ist indiziert bei
- Embryonen mit dicker Zona
pellucida (> 15 µm),
- bei älteren Patientinnen
(> 35 Jahre) und
- bei 2-3 erfolglosen
IVF-Versuchen nach Transfer von mindestens zwei qualitativ guten Embryonen.
- Durchführung: Das mechanische und das
chemische Verfahren benötigt den Einsatz einer Mikromanipulationsapparatur
zum Fixieren des Embryos mit einer Haltekapillare und zur Eröffnung mit
spitzen Glaskapillaren (mechanisch) bzw. zum Applizieren der sauren
Tyrodelösung. Der Lasereinsatz erfolgt kontaktfrei und benötigt keine
zusätzlichen Mikromanipulatoren und erzeugt Öffnungen in der Zona pelluzida von
definierter, reproduzierbarer Größe.
- Risiken:
- Der Einsatz der sauren
Tyrodelösung kann bei Überdosierung zu einer Schädigung der
Blastomeren führen.
- Die Lasertechnik ist bei
sachgemäßer Anwendung die derzeit sicherste Methode des Assisted
Hatching.
- Vorteile: Assisted
Hatching verbessert bei bestimmten Patientengruppen die Implantations- und
Schwangerschaftsrate.
- Erfahrungen:
- Es liegen für den Einsatz
des mechanisch- als auch des chemisch-unterstützten Ausschlüpfens
viele Berichte vor, die jedoch bezüglich der Erfolgsaussichten zu sehr
kontroversen Ergebnissen kommen (Lanzendorf et al., 1998; Meldrum et al.,
1998).
- Randomisierte prospektive
Studien zum Einsatz der Diodenlasertechnik sind noch nicht endgültig
abgeschlossen, doch zeigen erste Auswertungen eine verbesserte
Schwangerschaftschance in Abhängigkeit von der Indikation (Germond et al.,
1998).
- Bewertung:
- Laser-Assisted Hatching
stellt derzeit die effektivste Methode zum Unterstützen des
Ausschlüpfens der Blastozyste dar. Ein Anstieg der Implantationsrate zeigt
sich bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Alter (> 35 Jahre) bzw. nach
wiederholten erfolglosen IVF-Transferzyklen (> 2) und generell bei Eizellen
mit dicker Zona pellucida (> 15 µm).
- Der Erfolg des assisted
hatching wird, immer mehr in Frage
gestellt. Vorgestellte Meta-Analysen konnten kein sig. Verbesserung der
Schwangerschaftsrate zeigen.
- Die bisherigen Studien zeigen erhebliche Unterschiede in
wesentlichen, erfolgsrelevanten Parametern (z.B. Techniken der Eröffnung,
Lochgröße, Patientenkollektiv) sowie der Fallzahl (Hatching ist
nmicht gleich Hatching).
- Literaturhinweise:
- Germond M, Primi MP, Senn A
et al. Diode laser for assisted hatching: preliminary results of a multicentric
prospective randomized study. Hum Reprod 1998; 13 Abstract Book 1:84-85.
- Lanzendorf SE, Nehchiri F,
Mayer JF et al. A prospective, randomized, double-blind study for the
evaluation of assisted hatching in patients with advanced maternal age. Hum
Reprod 1991; 13:409-413.
- Meldrum DR, Wisot A, Yee B et
al. Assisted hatching reduces the age-related decline in IVF outcome in women
younger than age 43 without increasing miscarriage or monozygotic twinning. J
Assist Reprod 1998; 15:418-421.
- Montag, M., Van der Ven, H., (1999) Gibt es
Vorteile des assisted hatching ? Reproduktionsmedizin 16:62-63.
3.3.2.6 Blastozystenkultur
Autor: Cosima Brucker
(Universitäts-Frauenklinik, Ulm)
- Prinzip: Sequentielle Embryokultur in
Kulturmedien, die an die wechselnden Bedürfnisse des sich entwickelnden Embryos angepaßt
sind. Kultur bis zum Mehrzellenstadium in einfachen Medien, Blastozystenkultur
in komplexen Medien. Gesamte Kulturdauer 5-6 Tage. Zirka 50 % der Zygoten
entwickeln sich zur Blastozyste. Embryoselektion durch Auswahl nach Entwicklung
bis zur Blastozyste (Blastozystenbildung zeugt von hohem Entwicklungspotential).
- Indikationen:
- Erhöhung der
Behandlungseffizienz bei gleichzeitiger Senkung des Risikos höhergradiger
Mehrlinge, insbesondere bei mittlerem bis gutem Ansprechen auf Ovarstimulation.
Sonderindikationen:
- Präimplantationsdiagnostik:
ermöglicht größeres zeitliches Fenster für Diagnostik nach
Biopsie im 4- bis 8-Zellstadium. Vermeidung der Kryokonservierung bei
längerdauernder Diagnostik.
- Potentielle
Möglichkeit der Trophektoderm-Biopsie zur genetischen Analyse (das
Trophektoderm gehört ontogenetisch nicht zum Embryo).
- Vorteile:
- Hohe
Implantationsrate, höhere Schwangerschaftsraten (bis zu 50% pro Transfer);
- Verringerung des
Mehrlingsrisiko durch Vermeidung eines Mehrfachtransfers (2 Embryonen; bei
jungen Patientinnen nur ein Embryo).
- Vorteile bei der
Präimplantationsdiagnostik (Zeitgewinn)
- bessere
Synchronisierung des embryonalen Entwicklungsstadiums mit der sekretorischen
Transformation des Endometriums. Embryonen mit geringerem Entwicklungspotential
werden im Lauf der Kultur erkannt (Selektion).
- Risiken:
- Häufig
monozygote Zwillingsschwangerschaften.
- Bei suboptimalen
Kulturbedingungen wird Behandlungserfolg gefährdet.
- In Deutschland
zur Erhöhung der Behandlungseffizienz nicht einsetzbar, da lt. Embryonenschutzgesetz nicht mehr als die zum Transfer
bestimmten Pronucleusstadien weiterkultiviert werden dürfen =
Embryoselektion in Deutschland nicht erlaubt; Embryonen dürfen nur im
Notfall eingefroren werden.
- Mögliche
Gefahren: Anlage von Megaorganen (bei Tieren große Leber bzw. Pankreas
beobachtet!)
- Erfahrungen:
- Implantationsrate
je transferierter Blastozyste ca. 50%, bei 2 transferierten Blastozysten resultiert daraus eine
Schwangerschaftsrate von 75%. Es entstehen zu einem Drittel
Zwillingsschwangerschaften.
- Die
Kryokonservierung von Embryonen im Blastozystenstadium ist möglich. Unklar
ist derzeit, ob Assisted Hatching oder vollständige Entfernung der Zona
pellucida beim Blastozystentransfer sinnvoll sind.
- Keine weitere Steigerung der
Gesamtschwangerschaftsrate (50-60% maximal)
- Implantationsrate:
ca 45 %
- Vorteil: keine
Drillinge; Reduktion
des Risikos von höhergradigen Mehrlingen; s.o. Monozygote Zwillinge.
- Literaturhinweise:
- Gardner, D.K,
Schoolcraft, W.B.: Elimination of high-order multiple gestations by blastocyst
culture and transfer. In: Female Infertility Therapy. Current Practice. Shoham,
Z., Howles, C.M., Jacobs, H.S., eds. Martin Dunitz Ltd, 1999, pp 267-274.
- Gardner, D.K.:
Improving embryo culture and enhancing pregnancy rate. In: Female Infertility
Therapy. Current Practice. Shoham, Z., Howles, C.M., Jacobs, H.S., eds. Martin
Dunitz Ltd, 1999, pp 283-299.
- Huisman, G.J.,
Fauser, B.C., Eijkemans, M.J., Pieters, M.H., (2000) Implantation rates after
in vitro fertilization and transfer of a maximum of two embryos that have
undergone three to five days of culture. Fertil Steril 73:117-122.
3.3.2.7 Zytoplasmatransfer:
Autorin: Ute
Weißenborn, AG Reproduktionsbiologie des Menschen
- Prinzip: Beim Cytoplasmatransfer wird
Ooplasma von einer Spenderoocyte zu Empfängeroocyten transferiert. Von der
Spenderoocyte werden ca. 10 % Ooplasma entnommen, welches entweder unmittelbar
vor ICSI mit der Empfängeroocyte fusioniert wird (Elektrofusion) oder
zusammen mit dem Spermium bei ICSI injiziert wird. Das Ooplasma enthält
Zellorganellen, v.a. Mitochondrien mit mitochondrialer DNA, Ribosomen (Proteine
und ribosomale RNA), mRNA, Proteine unterschiedlichster Funktion und anderes.
- Erfahrungen:
- wenige
Tierexperimente
- experimentelle
Therapieansätze bei ICSI-Patientinnen
- Indikationen:
- Oocyten mit
reduzierter Entwicklungskompetenz welche wahrscheinlich auf mitochondriale
Dysfunktion und nicht auf nucleäre Defekte zurückzuführen ist
- Oocyten die auch
mit ICSI nicht aktiviert und fertilisiert werden können
- Risiken:
- Molekulare und strukurelle
Gradienten in menschlichen Oocyten können durch den Ooplasmatransfer
erheblich gestört werden, was möglicherweise mit der Entwicklung
interferiert.
- Die Verwendung
von Ooplasma aus kryokonservierten Oocyten birgt ein zusätzliches
potentielles Risiko.
- Schwerwiegender
sind jedoch die genetischen Risiken einzustufen: Beim Cytoplasmatransfer
entstehen Embryonen, die nach ihrer Herkunft als Mitochondrienhybride zu
bezeichnen sind. Diese Embryonen sind mit zwei unterschiedlichen maternalen
mitochondrialen Genomen und mit fremden maternalen RNAs ausgestattet. Risiken
eines zusätzlichen Genoms auf die Embryonalentwicklung und Langzeiteffekte
als Folge der experimentellen Technik, die im Tierversuch nur wenig untersucht
wurde, können nicht eingeschätzt werden.
- Vorteile:
In den
wenigen bekannten experimentellen Ansätzen: Verbesserung der
Lebensfähigkeit von Embryonen in vitro.
- Bewertung: Eine aus ethischer und
entwicklungsbiologischer Sicht sehr fragwürdige Technik. Die Anwendung in
der Humanmedizin kann sich zudem nur auf wenige Tierexperimente berufen. Beachtung der gesetzlichen
Bestimmungen (ESchG) (In der BRD nicht erlaubt; Cytoplasma enthält
mitochondriale DNA!)
- Literaturhinweise:
- Antezak. M., Van
Blerkom, J.: Oocyte influences on early development: the regulatory proteins
leptin and STAT3 are polarized in the mouse and human oocytes and
differentially distributed within the cells of the preimplantation stage
embryo. Mol. Hum. Reprod. 3. 1067-1086 (1997)
- Cohen, J., Scott. R.,
Schimmel, T., Levron, J., Willadsen, S.: Birth of infant after transfer of
anucleate donor oocyte cytoplasm into recipient eggs. Lancet 350, 186-187
(1997)
- Cohen, J., Scott, K.,
Alikani, M., Schimmel, T., Munné, S., Levron, J., Wu, L., Brenner. C.,
Warner. C., Willadsen, S.: Ooplasmic transfer in mature human oocytes. Mol.
Hum. Re-prod. 4, 269-280 (1998)
- Edwards, R.G., Beard,
H.: Oocyte polarity and cell determination in early mammalian embryos. Mol.
Hum. Reprod. 3, 863-905 (1997)
- Flood, J.T., Chillik,
C.F., Van Uem, J.F., Iritani, A., Hodgen, G.D.: Ooplasmic transfusion: porphase
germinal vesicle oocytes made developmentally competent by microinjection of
metaphase II egg cytoplasm. Fertil. Steril. 53, 1049-1054 (1990)
3.3.2.8 Kerntransfer:
Autorin: Ute
Weißenborn, AG Reproduktionsbiologie des Menschen
- Prinzip: Beim Kerntransfer wird ein
Zellkern einer Spenderzelle (Karyoplast) mit dem Cytoplasma ciner Oocyte oder
Zygote, aus der Chromosomen oder Zellkern entfernt wurden (Cytoplast)
fusioniert. Es entstehen Klone.
- Durchführung: Ein Spender-Zellkern (1.
somatischer Zellkern aus fetalen oder adulten Zellen; 2. Blastocystenzellkern
der inneren Zellmasse oder aus dem Trophektodern; 3. Prophasekern der 1.
meiotischen Teilung = germinal vesicle, "GV-Karyoplast") wird
zwischen Zona pellucida und dem enucleierten Ooplast (Enucleiren durch Absaugen
des Kerns bzw. der Chromosomen) plaziert; Fusion von Karyoplast und Ooplast und
Aktivierung werden mittels elektrischer Stimulation (Elektrofusion) erzielt.
- Erfahrungen: Den frühen Experimenten
an Amphibien (1952: Transfer von Blastula-Zellkernen in Eizellen des Frosches)
folgten in den letzten Jahren zahlreiche Untersuchungen an Säugerzellen
(Schaf, Rind, Schwein, Kaninchen, Maus, Ratte, Rhesusaffe). Zellkerne
unterschiedlicher Herkunft (GV-Karyoplasten, Kerne aus differenzierten
Präimplantations-Embryonalstadien, fetale Fibroblasten, Kerne von fetalen
männlichen oder weiblichen Keimzellen, murale Granulosazellen) wurden in
enucleierte sekundäre Oocyten oder Zygoten transferiert. Beim Transfer in
enucleierte Zygoten arretierte die Entwicklung nach den ersten
Furchungsteilungen, während beim Transfer in sekundäre Oocyten bessere
Ergebnisse (bis zur Lebendgeburt) erzielt wurden.
- Anwendungen: biologische Forschung,
kommerzielle und biomedizinische Interessen
- Kontrolle und Regulation der
Genaktivierung während der Embryonalentwicklung
- Entwicklungspotenz von
transplantierten somatischen Zellkernen ("Umprogrammierung" der
Zellkerne)
- Erzeugung von menschlichen
embryonalen Stammzellen die zur Differenzierung in verschiedene somatische
Zelllinien fähig sind; mögliche Verwendung in der
Transplantationsmedizin
- Vermehrung von transgenen Tieren
für Xenotransplantationen für Menschen
- kommerzielles Interesse an
transgenen Rindern und Schafen, die klonal vermehrt werden
- Risiken: nicht abzuschätzen
Es
entstehen genetische Chimären mit Kern-DNA aus somatischen Zellen und
mitochondrialer DNA aus Oocyten. D.h. die aus Klonierungsexperimenten
hervorgegangenen Individuen (sind es noch Individuen im eigentlichen Sinne?)
sind nucleäre Klone, aber genetische Chimären (Kern-DNA aus
somatischen Zellen, mitochondriale DNA aus Oocyten). In den Tierexperimenten
wurden eine hohe Abortrate, eine hohe Rate von Entwicklungsanomalien und eine
verkürzte Lebenserwartung beobachtet.
Genetische
Probleme beim Klonieren mittels Kerntransfer:
- Beeinflussung der
,,Produktion" von Tieren wegen der cytoplasmatischen Vererbung; die
"nucleären" Klone besitzen unterschiedliche Cytoplasmen
- Zufallsbedingte Inaktivierung
eines der beiden X-Chromosomen in weiblichen Tieren
- Möglichkeit der
differentiellen Genexpression oder Mutation nach Kerntransfer in klonierten
Embryonen
- Bewertung: Die klonale Produktion von
Tieren stößt auf ein geteiltes Interesse, weil auf der einen Seite
die Erweiterung des Wissens, auf der anderen Seite aber auch die potentielle
Gefahr der Übertragung auf den Menschen gesehen wird. Bestrebungen,
menschliche embryonale Stammzellinien herzustellen, um sie für
Transplantationszwecke zu verwenden, sind auf der Basis ethischer Grenzen als
sehr problematisch einzustufen.
- Literaturhinweise:
- Briggs, R., King,
T.J.: Transplantations of living nuclei from blastula cells into enucleated
frog eggs. Proc. Natl. Acad. Sd. USA 38, 455-467 (1952)
- Campbell, K.H.,
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- Dominko, T.,
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of somatic cell nuclei from various mammalian species. Biol. Reprod. 60.
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- Illmensee, L.,
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- Meng, L., Ely.
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- Schnieke, A.E.,
Kind, A.J., Ritchie, W.A., Mycock, K., Scott, A.R., Ritchie, M., Wilmut, I.,
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- 184 (1998)
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-
Zakhartchenko, V., Durcova-Hills, G., Schernthaner, W., Stojkovic,
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- - Lanzendorf S.F., Mayer, J.F., Toner, J.,
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- Van Blerkom, J.
Sinclair, J., Davis, P.: Mitochondrial transfer between oocytes: potential
applications of mitochondrial donation and the issue of heteroplasmy. Hum.
Reprod. 13, 2857-2868 (1998)
3.3.2.9 Embryologie:
Autor: H. W.
Michelmann, Göttingen
Oozytenqualität
Die Bestimmung der
Oozytenqualität im Rahmen der IVF ist zum Zeitpunkt der Oozytengewinnung
nicht möglich. Der Oozyten-Cumuluskomplex macht eine Analyse
unmöglich. Lediglich die Weiterentwicklung jeder einzelnen Oozyte
(PN-Stadium; frühe Embryonalentwicklung bis zur expandierten Blastozyste)
lässt retrospektiv eine Klassifizierung zu.
Während des
ICSI-Verfahrens werden unmittelbar nach der Follikelpunktion die die Oozyte umgebenden
Granulosazellen entfernt. Dies erlaubt eine Klassifizierung in:
1. Reife Oozyte mit
ausgestossenem ersten Polkörper im Stadium der Metaphase II
2. Unreife Oozyte ohne
Polkörper mit bzw. ohne sichtbares germinales Vesikulum
3. Degenerierte bzw.
fragmentierte Oozyte
Diese Klassifikation sagt
weder etwas über die Befruchtungsfähigkeit der Eizelle noch über ihren
chromosomalen Status aus. Für
die Samenzell-Eizell-Interaktion sind bestimmte Rezeptoren (Glykoproteine) auf
der Oberfläche der Zona pellucida notwendig. Ihre An- oder Abwesenheit
kann mikroskopisch nicht festgestellt werden. Zwischen 25 und 40% aller Oozyten
haben eine chromosomale Aberration,
die im Rahmen der IVF oder ICSI nicht zu erkennen ist. Da etwa 10%
aller Spermatozoen ebenfalls eine
chromosomale Aberration tragen, führt dies zu einer Aberrationsrate früher menschlicher Embryonen von
etwa 50%.
Qualitätskriterien
für Embryonalentwicklung:
Autor: M. Montag
Univ.-Frauenklinik, Bonn
Die Qualität der
Embryonen (insbesondere ihr Implantationspotential) lässt sich ableiten
von der Qualität der Eizelle, der Polarisierung der Vorkerne, der
zeitgerechten Entwicklung, der Morphologie und dem Stoffwechsel der Embryonen.
Morphologie der Eizelle
(Serhal et al. 1997)
- Kriterien für eine
Eizelle mit guter Prognose:
Cumulus expandiert;
1. Polkörper vorhanden und deutlich abgegrenzt; homogenes (nicht
granuläres) Zytoplasma; keine Einschlusskörper; keine Vakuolen.
Polarisierung der Vorkerne (Scott & Smith 1998;
Tesarik & Greco 1999; Garello et al. 1999)
Männlicher und
weiblicher Vorkern nahezu gleich gross; Zahl und Grösse der
Nukleolen-vorläuferkörper (NVK) in beiden Vorkernen gleich; u.U.
klare zytoplasmatische Zone am Rand (Halo); Winkel zwischen der Achse der
Vorkerne und dem davon entferntesten Polkörper (1. oder 2.; siehe Garello
et al. 1999).
Zeitgerechte Entwicklung
Vorkerne vorhanden
16-17 Stunden nach Fertilisierung; Nachfolgende Zellteilungen bis zum Transfer
(Tag 2: ((2-) 4 Zellstadium, Tag 3: ((4-) 8 Zellstadium)
Stoffwechsel der Embryonen
(Liu et al. 1997; Menezo et al. 1998; Gardner 1998)
Der Stoffwechsel der
Embryonen ist entscheidend bei der Blastozystenkultur. Diese erfolgt optimal
mit sequentiellen Kulturmedien. Bis zum 4-8 Zellstadium wird ein 1.Medium (mit
EDTA) benutzt, danach bis zur Blastozyste ein 2.Medium (ohne EDTA,
veränderte Glukosekonzentration) eingesetzt.
Bestimte
Stoffwechselprodukte der Embryonen können als Mass der
Embryonenqualität herhalten, z.B. die Insulin-like growth factors. Eine
hohe Expression von IGF-I, -II und IGF-IR, -IIR ist bei guter
Embryonenqualität gegeben.
Morphologie der Embryonen
(Steer et al. 1992)
- Die im IVF-Bereich
gängigste Methode der Erfassung der Embryoqualität erfolgt über
deren Morphologie, z.B. unter Benutzung der Kriterien nach Steer et al. 1992.
- Gute Embryonen besitzen
gleichmässige Blastomere und keine Fragmente. Mit Zunahme des Anteils der
Fragmente sinkt die Embryoqualität.
Literatur:
- Gardner DK (1998) Development of serum-free
media for the culture and transfer of human blastocysts. Hum Reprod. 13
Suppl.:18-25.
- Garello C, Baker H, Rai J, Montgomery S,
Wilson P, Kennedy CR, Hartshorne GM (1999) Pronuclear orientation, polar body
placement, and embryo quality after intracytoplasmic sperm injection and
in-vitro fertilization: further evidence for polarity in human oocytes? Hum.
Reprod. 14:2588-2595.
- Liu HC, He ZY, Mele CA, Veeck LL, DavisOK,
Rosenwaks Z (1997) Expression of IGFs and their receptors is a potential marker
for embryo quality. Am. J. Reprod. Immunol. 38:237-245.
- Menezo Y, Veiga A, Benkhalifa M (1998)
Improved methods for blastocyst formation and culture. Hum Reprod. 13
Suppl.:18-25.
- Scott LA, Smith S (1998) The successful use
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fertilization and embryo transfer programme. Hum. Reprod. 7:117-119.
- Tesarik J, Greco E (1999) The probability of
abnormal preimplantation development can be predicted by a single static
observation on pronuclear stage morphology. Hum. Reprod. 14:1318-1323.
3.3.2.10 Präimplantationsdiagnostik:
Autor: Michael Ludwig,
UFK Lübeck
- Die
Bioethik-Kommission Rheinland-Pfalz hat in einer Pressemitteilung des Mainzer
Ministeriums der Justiz vom 29.6.1999 mitgeteilt: Die genetische Untersuchung
von im Reagenzglas befuchteten Eizellen bzw. Embryonen (In-vitro-Fertilisation)
vor einem möglichen Transfer in die Gebärmutter
(Präimplantationsdiagnostik) ist unter strengen Voraussetzungen ethisch
vertretbar und rechtlich zulässig.
- Diese
Stellungnahme hat jedoch keinen gesetzgeberischen Charakter - dies kann nur
durch eine entsprechende Initiative im Bundesrat geklärt werden.
- Indikationen:
- Die Indikation zur
Präimplantationsdiagnostik wird individuell festgelegt. Einen
Positivkatalog mit entsprechenden
Vorgaben darf es nicht geben, da dies zu einer Diskriminierung von Personen mit
bestimmten genetischen Konstellationen führen würde. Ferner besteht
die Gefahr, dass aus dem es darf eine Präimplantationsdiagnostik
durchgeführt werden,
ein es muss durchgeführt werden wird.
- Allenfalls
ein Negativkatalog wäre zu fordern, um Mißbrauch wirkungsvoll
vorzubeugen (z.B. Geschlechtsselektion auf Wunsch der Eltern, ohne
zugrundeliegende X-chromosomale Erkrankung).
- Durchführung:
Polkörperbiopsie:
-
Mechanische
(Pipette), physikalische (Laser) oder chemische (Acid Tyrode) Eröffnung
der Zona pellucida
-
Entfernung
des Polarkörpers durch Aspiration oder in einer Laserfalle
Blastomerenbiopsie:
- Mechanische
(Pipette), physikalische (Laser) oder chemische (Acid Tyrode) Eröffnung
der Zona pellucida
-
Entfernung
von ein bis zwei Blastomeren durch Aspiration (Tag 3 nach Insemination?)
Blastocystenbiopsie:
- Mechanische
(Pipette), physikalische (Laser) oder chemische (Acid Tyrode) Eröffnung
der Zona pellucida
-
spontanes
Vorwölben von Trophoblast durch die eröffnete Zona pellucida
-
Abtragung
der vorgewölbten Zellen (ca. 30) ohne Beeinträchtigung der
Weiterentwicklung des Embryos möglich
-
aufgrund
fraglicher Mosaike im Trophoblasten und der niedrigen Zahl erzielbarer
Blastozysten ist die Blastozystenbiopsie bisher weltweit kaum in der
Präimplantationsdiagnostik eingesetzt worden
- Genetische
Diagnostik
-
FISH
(fluorescence in situ hybridisation): Darstellung von einzelnen Chromosomen zur
Geschlechtsdiagnostik bei X-chromosomalen Erkrankungen, Ausschluß von
Aneuploidien bzw. unbalancierten Translokationen und Darstellung
größerer Deletionen (Dauer: etwa 2-3 Stunden)
-
PCR
(polymerase chain reaction): Diagnostik von Einzelgen-Defekten, möglich
auch als Fluoreszenz-PCR mit höherer Sensitivität, hoher
Verläßlichkeit und Möglichkeit des Ausschlusses von
DNA-Verunreinigungen (Dauer: je nach Diagnostik etwa 6-8 Stunden)
- Bewertung: Erkennung von
genetischen Veränderungen vor dem Embryotransfer.
4. Was gibt es Neues
4.1 Genetik:
Autor: Peter H Vogt (Inst. f.
Humangenetik, Heidelberg)
- Was
gibt es Neues?
- Zur
Qualitätssicherung der Diagnostik von Yq11 Mikrodeletionen bei
Männern mit idiopathischer Azoospermie oder hochgradiger Oligozoospermie hat die EAA (European Academy of
Andrology) die ersten "guidelines" publiziert (Simoni et al., Int. J.
Androl. 22:292-299, 1999).
- Der
Einfluss von Androgenreceptor
Mutationen auf die männliche Fertilität wird nach wie vor kontrovers
diskutiert (Lancet vol. 354; issue 21st August, 1999).
- Die
cytogenetische Diagnostik
von 781 ICSI-Paaren
mit starkem männlichen Infertilitätsfaktor oder erfolglosen
vorhergehenden IVF Fertilisierungsversuchen ergab bei 204 Personen (Mann oder
Frau) einen abnormalen Karyotyp (Peschka et al., Hum. Reprod. 14:2257-2263,
1999). Die Autoren geben eine ausgezeichnete tabellarische Übersicht
über die verschiedenen erhobenen Chromosomenbefunde und empfehlen als
Konsequenz ihrer Studie eine Chromosomenanalyse beider Partner vor geplanter
ICSI-Behandlung.
- Gibt
es eine genetische Prädisposition für das Auftreten der Endometriose? Die Assoziation eines N314D
Polymorphismus im Galactose-1-Phosphat-Uridyl-Transferase (GALT) Enzym mit dem
Auftreten familiärer Endometriose-Fälle wurde in Nordamerika
beobachtet, konnte durch eine entsprechende Studie in England aber nicht
bestätigt werden (Hadfield et al., Mol. Hum. Reprod. 5:990-993, 1999).
- Kryptorchismus wird vermutlich zumindest bei einem Teil
der Betroffenen durch Mutationen im Gen für das Leydigzell
"Insulin-Like Hormon": Insl3 hervorgerufen. Ein bilateraler
Kryptorchismus, verursacht durch eine Störung in der Entwicklung des
Gubernaculums, wurde jetzt bei Mäusen mit verschiedenen homozygoten Insl3
"knock- out" Mutationen entdeckt (Nef & Prader, Nature Genetics
22:295-299, 1999; Zimmermann et al., Mol. Endocrinology 13:682-691, 1999). Das
Insl3 Gen wird spezifisch in Leydig-Zellen fetaler und postnataler Hoden
exprimiert sowie in den Thecazellen postnataler Ovarien. Ein entsprechendes
Expressionsmuster im humanen Keimepithel ist zu vermuten.
- Gene,
die identisch oder in der Nähe zu HLA Klasse II Genen liegen, beeinflussen die Spermatogenese und die Spermafunktion (Van der Ven, et al., Hum
Reprod 15:189-196, 2000)
4.2 Assistierte Reproduktion bei
HIV-diskordanten Paaren
Autor: Michael Weigel
(Universitäts-Frauenklinik Mannheim)
1. Hintergrund
- In
Deutschland sind derzeit mehr als 37.000 Menschen mit dem HI-Virus infiziert,
davon mehr als 75% im fortpflanzungsfähigen Alter. Jährlich ca. 2000
Neuinfektionen.
- Durch
moderne antiretrovirale Therapie Reduktion der Neudiagnosen um 50% und die der
HIV/AIDS-bedingten Todesfälle um 60% (Robert-Koch-Institut 1998). Viele
Infizierte leben schon 10 bis 15 Jahre mit der Infektion.
- Transmissionsrisiko
durch vaginalen Geschlechtsverkehr ca. 0,05 bis 0,8% je Koitus (Royce et al.
1997). Zum Schutz des gesunden Partners bzw. der gesunden Partnerin ist deshalb
geschützter Geschlechtsverkehr obligat.
- Keine
Leistungspflicht der Krankenversicherungsträger für Verfahren der
assistierten Reproduktion bei HIV-Infektion eines (Ehe-)Partners (Richtlinien
des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen)
2. HIV-Infektion der
(Ehe-)Frau
2.1. Schwangerschaft und Geburt
- Schwangerschaft
und Geburt beeinflussen den Infektionsverlauf nicht, sofern nicht bereits ein
AIDS-Vollbild vorliegt.
- Besondere
Schwangerschaftsrisiken: Anämie (insbes. unter Zidovudin), zervikale
epitheliale Dys- und Neoplasien, uro-genitale Infektionen, vorzeitige
Wehentätigkeit. Im Gegensatz zu internationalen Meta-Analysen finden sich
im deutschen Sprachraum Aborte, Totgeburten und Wachstumsretardierung nicht
gehäuft (Brocklehurst et al. 1998, Schäfer 1999).
- Materno-fetale
Virustransmission (Mandelbrot et al. 1998, Schäfer 1999, The
International Perinatal HIV Group 1999):
a)
18-25% ohne Intervention
b)
7-15% mit antiretroviraler Therapie
c)
1-2% mit antiretroviraler Therapie, neonataler antiretroviraler Prophylaxe, elektiver
amnionerhaltender Sektio und Stillverzicht - und durch engmaschige
interdisziplinäre Betreuung durch Geburtshelfer, Pädiater,
HIV-Schwerpunktärzte und psychosoziale Dienste (German Austrian Guidelines
1999)
- Spätfolgen
einer Exposition in utero gegen antiretrovirale Medikamente noch nicht sicher
abwägbar: Lediglich Zidovudin gilt mit ausreichender Fallzahl (>2000)
als unbedenklich - aber nur 150 Kinder länger als 3-5 Jahre nachbeobachtet
(Culnane et al. 1999). Für übrige Substanzen fundierte Risikoabschätzung
derzeit noch nicht möglich, aber im Tierversuch meist nicht teratogen
(Antiretroviral Pregnancy Registry 1998). Ausnahme Efavirenz: Im Tierexperiment
Gesichts- und ZNS-Fehlbildungen.
2.2. Reproduktionsmedizinische Aspekte
- Unter
antiretroviraler Therapie mit Proteasehemmern Hyperprolaktinämie und
Insulinresistenz gehäuft (Rizk und Dill 1997)
- Wegen
uro-genitaler Infektionsanfälligkeit bis zu 25% tubo-peritoneale
Störungen (Frankel 1997).
- Deshalb
bei Kinderwunsch frühzeitige, "prophylaktische" andrologische
und endokrinologische Diagnostik sowie zumindest
qualitativeTubenfaktorprüfung und interdisziplinäre Beratung. Bei
Eintritt einer Schwangerschaft frühzeitige risikoadaptierte Anpassung der
antiretroviralen Therapie
- Schutz
des Partners durch "Selbstinsemination" (Sonnenberg-Schwan 1999).
- Korrektur
fertilitätsrelevanter Störungen (endokrine Therapie, Tubenchirurgie)
juristisch eher unbedenklich, Verfahren der assistierten Reproduktion
haftungsrechtlich zumindest zweifelhaft (Eberbach 1999). In Deutschland derzeit
lediglich 3 IVF-Zentren zur Behandlung HIV-positiver Frauen bereit (Umfrage
9.1999).
3. HIV-Infektion des
(Ehe-)Mannes
3.1. HI-Viren im Ejakulat
- Viruslast
und -verteilung im Ejakulat nicht konstant (Anderson 1992).
- Virale
Partikel bzw. provirale DNA können in Seminalplasma und nukleären
Begleitzellen nachgewiesen werden (Baccetti et al. 1991, Anderson 1992).
Virusnachweis an (Virus-RNA) und in (provirale DNA) Spermien lange kontrovers
diskutiert (aktuelle Übersicht bei Weigel et al. 1999).
- Nach
heutigem Kenntnisstand kommen vitale, motile Spermien als Virusträger
nicht in Betracht.
- Separation
beweglicher Spermien durch Sequenz aus Dichtegradientenzentrifugation und
Swim-up (Anderson 1992, Semprini et al. 1992).
- Testung
der aufbereiteten Probe auf Kontamination durch hochsensitive PCR (Marina et
al. 1999, Weigel et al. 1997). Kryokonservierung und Quarantänelagerung
bis Testergebnis vorliegt, sofern kein hochsensitives Testsystem vor Ort
verfügbar
3.2. Reproduktionsmedizinische Aspekte
- Ohne
Verfahren der assistierten Reproduktion keine Realisierung des Wunsches nach
einem eigenen Kind ohne Gefährdung der gesunden Partnerin möglich!
- Interdisziplinäre
Beratung und Betreuung durch Reproduktionsmediziner, Infektiologen,
HIV-Schwerpunktmediziner und psychosoziale Dienste unter Berücksichtigung
des individuellen Infektionsverlaufes. Eingehende Erörterung der
potentiell limitierten Lebenserwartung.
- Andrologische
Subfertilität durch Störung der Nebenhodenfunktion gehäuft
(Dondero et al. 1996).
- Aufbereitete,
getestete Spermien für IUI, IVF oder ICSI. Wahl des Behandlungsverfahren
nach andrologischer und gynäkologischer Befundlage.
- Sicherheitsoptimierte
Spermienaufbereitung und ggf. -lagerung machen oft eine ICSI sinnvoll.
- Mikroinjektion
eines einzelnen, motilen Spermiums - theoretisch - sicherstes Verfahren.
- Aufklärung
der (Ehe-)Partner über hypothetisches Restrisiko einer Virustransmission
obligat. Haftungsrechtliche Konsequenzen bei Einhaltung der technischen
Standards dann nicht zu erwarten (Eberbach 1999).
- In
Deutschland behandeln derzeit 3 IVF-Zentren (ggf welche Zentren) (Ehe-)Paare bei HIV-Infektion des Mannes. 9 weitere
IVF-Zentren sind auf Anfrage dazu bereit (Umfrage 9.1999).
- Europaweit
mehr als 2000 Behandlungszyklen. Keine Serokonversion bei über 800
Patientinnen und 300 geborenen Kindern bislang (1st European Symposium on HIV
and Assisted Reproduction, Barcelona, 22.-23.10.1999).
Literaturhinweise:
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- Weigel
M, Beichert M, Melchert F (1999) Assistierte Reproduktion bei HIV-Infektion des
Ehepartners - von der Kontraindikation zur Indikation? Reproduktionsmedizin 15,
4.3 Neues in der Psychosomatik:
Autor: TewesWieschmann
(Psychosomatische Klinik, Heidelberg)
Die Special Interest Group
”Psychology and Counselling” der ESHRE (Koordinator: Prof. H.
Kentenich, Berlin) arbeitet an den europäischen ”Guidelines for
Counselling” in
der Reproduktionsmedizin.
Verabschiedung der Guidelines voraussichtlich Juli 2000. Die Leitlinie
”Psychosomatisch orientierte Diagnostik und Therapie bei
Sterilität” der DGPGG
steht im Internet unter
http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/pggyn003.htm. Zum gleichen Thema ist
eine Leitlinie des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin (DKPM) in Arbeit, diese wird
voraussichtlich Herbst 2000 verabschiedet.
Seit 1993/94 haben zwei vom BMBF
geförderte bundesweite Forschungsverbünde die psychosozialen Aspekte
von Fertilitätsstörungen untersucht. Aus diesen Forschungsverbünden
ist ein Manual zur
Paarberatung bei unerfülltem Kinderwunsch entstanden: "Ungewollte
Kinderlosigkeit.Psychologische Diagnostik, Beratung und Therapie" (Hrsg.:
B. Strauß, Hogrefe 1999). Einen guten Überblick über die wissenschaftlichen
Erkenntnisse bietet das Jahrbuch der Medizinischen Psychologie Band 17
”Psychosoziale Aspekte der ungewollten Kinderlosigkeit”(Hrsg.: E.
Brähler, H. Felder, B. Strauß, Hogrefe 2000). Die wichtigsten
Ergebnisse der Forschungsverbünde in Kürze:
-
Paare mit
unerfülltem Kinderwunsch stellen sich psychologisch durchschnittlich nicht
auffällig dar. Dieses gilt auch für idiopathisch sterile Paare
(Wischmann et al., i. o. g. Band, S. 245-261).
-
Durch
psychologische Beratung und tiefenpsychologisch fundierte Paartherapie kann
eine seelische Entlastung bei den betroffenen Paaren erreicht werden, nicht
aber eine Erhöhung der Schwangerschaftschance (Wischmann et al.
Reproduktionsmedizin 15: 37-44, 1999). Auch Verhaltenstherapie wirkt
streßreduzierend (Pook et al., Reproduktionsmedizin 15: 108-114, 1999).
-
Die
psychische und motorische Entwicklung von Kindern nach IvF erscheint
unauffällig im Vergleich zu Kontrollgruppen mit ”spontan”
gezeugten Kindern.
Höhergradige Mehrlinge sind auch aus psychologischer Sicht eine
Risikogruppe (Gagel et al., Reproduktionsmedizin 14: 31-40, 1998, s. a.
Montgomery et al., Hum. Reprod. 14: 2162-2165, 1999).
-
Türkische
Kinderwunschpaare (in Berlin) nehmen durchschnittlich einige Jahre früher die Hilfe der assistierten
Reproduktion in Anspruch als vergleichbare deutsche Paare, auch ohne Vorliegen
einer eindeutigen medizinischen Indikation. Das Wissen dieser Paare über
biologische Grundlagen der Reproduktion ist oft gering (Yüksel et al.,
Münch. Med. Wschr. 138: 65 - 68, 1996).
-
Die Rolle
des Hausarztes als Ansprechpartner für Frauen/Paare mit Kinderwunsch wird
im allgemeinen unterschätzt (Himmel et al., J. Psychosom. Obstet. Gynecol.
20: 127-135, 1999)
Informationsbroschüren für betroffene Paare über
medizinische und psychologische Aspekte ungewollter Kinderlosigkeit sind bei
der BZgA (51101 Köln) kostenlos erhältlich (online über
http://www.familienplanung.de/kinderwunsch/). Die Broschüre ”Praktische Therapie bei Fertilitätsstörungen Manual für
Frauenärztinnen und
Frauenärzte aus psychosomatischer Sicht” ist über Serono
Pharma GmbH (85716
Unterschleißheim) erhältlich.
4.4
Andrologie:
Was gibt es Neues?
Autoren: Köhn FM (Klinik und
Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Technische Universität
München); Weidner W (Urologische Klinik, Justus-Liebig-Universität
Giessen); Schill WB (Zentrum für Dermatologie und Andrologie,
Justus-Liebig-Universität Giessen)
Die Übersicht
beschränkt sich auf klinisch relevante Neuerungen. Wissenschaftlich
interessante und innovative Entwicklungen können hier nicht abgehandelt
werden.
Epidemiologie,
Umwelteinflüsse
Seit der Metaanalyse von
Carlsen et al. (1992) ist in der breiten Öffentlichkeit eine Diskussion geführt worden, ob es
einen globalen Trend mit Abnahme der Ejakulatqualität gibt. Die Studie ist
jedoch bezüglich der Auswahl der eingeschlossenen Untersuchungen sowie der
statistischen Methoden nicht unumstritten. Zwischenzeitlich ist eine Vielzahl
von Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen publiziert worden, die regionale,
aber keine globale Trends erkennen lassen (Jung et al., 2000). Die Diskussion
hat zu einer Belebung reproduktionstoxikologischer Forschungsanstrengungen in
der Andrologie geführt. Besonderes Augenmerk wird auf Substanzen mit
östrogenartigen Wirkungen gerichtet (Pflieger-Bruss, 1998).
Grenzwerte für
Ejakulatparameter
Im Jahre 1999 wurde die
deutschsprachige Ausgabe des WHO-Laborhandbuches zur Untersuchung des
menschlichen Ejakulates und der Spermien-Zervikalschleim-Interaktion
herausgegeben. Die Grenzwerte für die meisten Ejakulatparameter haben sich
gegenüber den vorher geltenden Normwerten nicht verändert. Dagegen
hat die WHO wie schon in der letzten Ausgabe ihres Laborhandbuches von 1992 die
Beurteilung der Spermatozoenmorphologie neueren Untersuchungsergebnissen
angepaßt. In der jüngsten Ausgabe des Handbuches wird kein Grenzwert
für den Anteil normal geformter Spermatozoen mehr genannt. Die WHO
verweist darauf, daß die Fertilisierungsrate in vitro abfällt, wenn
weniger als 15% der Spermatozoen eine normale Morphologie aufweisen. Damit
nähert sie sich den sog. „strict criteria“ bei der Beurteilung
der Spermatozoenmorphologie (Ombelet et al., 1995).
Qualitätssicherung
Qualitätssichernde
Maßnahmen besitzen heute im andrologischen Labor einen wichtigen
Stellenwert. Schon ein Vergleich der Empfehlungen und Anleitungen in den
WHO-Laborhandbüchern von 1992 und 1999 zeigt, daß der Methodik und
Durchführung statt vormals 2 nun fast 20 Seiten gewidmet sind. In den
letzten Jahren sind Modelle für externe Qualitätskontrollen entwickelt
worden (Cooper et al., 1999). Andrologische Zentren können von der
European Academy of Andrology begutachtet und als Training Centers zertifiziert
werden. Seit 1997 können sich klinisch tätige Andrologen in Europa
auch als „Clinical Andrologists“ von der European Academy of
Andrology prüfen lassen.
Diagnostik
Apparative Diagnostik
Die Hodensonographie und
transrektale Prostatasonographie sind nun fester Bestandteil der andrologischen
Basisdiagnostik. Sie ergänzen die klinische Untersuchung und helfen bei
der Abklärung verdächtiger Palpationsbefunde. Darüber hinaus
sind sie bei der Entdeckung klinisch stummer Hodenkarzinome von Bedeutung, die
bei Patienten in andrologischen Sprechstunden häufiger vorkommen als in
der Vergleichspopulation (Behre et al., 1995; Pierik et al., 1999)
Spermatozoenfunktionsdiagnostik
In den letzten Jahren sind
neue Testverfahren zur Überprüfung von Spermatozoenfunktionen
(Expression von Mannose-Liganden, akrosomale Reaktion, Chromatinkondensation,
Zona-Bindung) evaluiert worden. Diese Untersuchungen haben klinische Bedeutung
bei der Abklärung von vormals als idiopathisch eingestuften
Fertilitätsstörungen des Mannes und helfen bei der andrologischen
Indikationsstellung für Methoden der assistierten Reproduktion (Köhn
und Schill, 2000).
Hodenbiopsien
Hodenbiopsien haben seit
der Etablierung von TESE nicht nur eine diagnostische sondern auch eine
therapeutische Dimension, da die multilokuläre Entnahme von Hodengewebe
selbst bei massiven testikulären Schäden in ca. 40-50% das Auffinden
von testikulären Spermatozoen erlaubt (Schroeder-Printzen et al., 1996).
Hierbei ist aber auf die anatomischen Strukturen, insbesondere die
Gefäßverläufe, zu achten. Bei einem Teil der operierten
Patienten sind postoperativ noch 6 Monate nach dem Eingriff sonographisch
Veränderungen im Hoden nachweisbar (Schlegel und Su, 1997). Das gezielte
Aufsuchen von dilatierten Tubuli seminiferi unter dem Op-Mikroskop und deren
Biopsie scheint die Wahrscheinlichkeit für die Extraktion von Spermatozoen
noch zu erhöhen (Schlegel, 1999).
Endokrinologische
Diagnostik
Neben den etablierten
endokrinologischen Parameter wird zunehmend häufiger auch das von den
Sertolizellen sezernierte Inhibin B in der andrologischen Routinediagnostik
eingesetzt Klingmüller und Haidl, 1997). Es ist positiv mit der
Spermatozoenkonzentration korreliert und erlaubt daher Rückschlüsse
auf die Spermatogenese.Biochemische Untersuchungen im EjakulatUntersuchungen
von biochemischen Markern im Ejakulat zur Überprüfung der Durchgängigkeit
der Samenwege (z. B. _-Glukosidase) oder zur Entzündungsdiagnostik (z. B.
Granulozytenelastase) sind fest in der Ejakulatdiagnostik etabliert (Schill und
Köhn, 1995, Ludwig et al., 1998).
Therapie
Medikamentöse
Therapie
Nach wie vor liegen zu den
meisten medikamentösen Therapieformen bei männlichen
Fertilitätsstörungen entweder keine kontrollierten Studien vor oder
entsprechende Untersuchungen haben ursprünglich erfolgsversprechende
initiale Ergebnisse nicht bestätigen können (Kamischke und Nieschlag,
1999). Das gilt bisher auch für die in den letzten Jahren stärker
propagierte Therapie mit Vitamin E oder C bei Nachweis reaktiver
Sauerstoffspezies im Ejakulat. Ob neue Ansätze wie die Anwendung von
Carnitinen effektiv sind, muß in kontrollierten Studien noch bewiesen
werden.
Unbestritten ist die
Anwendung von GnRH, HCG und HMG in der Therapie des hypogonadotropen
Hypogonadismus des Mannes. Reines und rekombinantes FSH sind nun auch zur
Therapie des Mannes zugelassen (Liu et al., 1999).
Varikozelentherapie
Die Effektivität der
Varikozelentherapie bezüglich ihrer Auswirkungen auf die
Schwangerschaftsraten wird noch
immer kontrovers diskutiert. Neuere Untersuchungen zeigen, daß selbst bei
Azoospermie die Behebung der Varikozele insofern sinnvoll sein kann, als sie
zum Auftreten von Spermatozoen im Ejakulat führt und somit Methoden der
assistierten Reproduktion ohne TESE möglich macht (Matthews et al., 1997).
„Aging Male“
Die Entwicklung in der
Altersstruktur unserer Bevölkerung führt dazu, daß mehr
ältere Männer andrologische Sprechstunden aufsuchen werden und
Beratung bzw. Behandlung wegen sexueller Störungen oder Symptomen der
partiellen Androgenresistenz des alternden Mannes (PADAM) wünschen. Neuere
Entwicklungen in der Behandlung der erektilen Dysfunktion (z.B. orale Anwendung
von Sildenafil, intrakavernöse und intraurethrale Applikation von PgE1)
haben zu deutlichen Fortschritten in der Therapie der erektilen Dysfunktion
geführt.
Ein echter Hypogonadismus
liegt aber nur bei ca. 20% der älteren Männer vor, obwohl ein
höherer Prozentsatz über eine Symptomatik berichtet, der mit
reduzierten Testosteronspiegeln in Einklang zu bringen wäre. Besondere
Brisanz gewinnt eine Behandlung älterer Männer mit Androgenen noch
dadurch, daß von der Beschleunigung des Wachstums von Prostatakarzinomen
unter Androgeneinfluß ausgegangen wird.
Die in den USA weit
verbreitete Einnahme von Dehydroepiandrosteron oder die vereinzelt empfohlene
Therapie mit Östrogenen wird derzeit von endokrinologischer Seite beim
alternden Mann nicht empfohlen, wenn auch erste Studien positive Effekte von
DHEA bei der Behandlung der erektilen Dysfunktion älterer Männer
gezeigt haben (Reiter et al., 1999).
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4.5 Immunologie: Was gibt es
Neues?
Autor: Th. Steck
(Univ.-Frauenklinik, Würzburg)
Wiederholte Aborte.
- Pathophysiologie: Bei Frauen mit wiederholten (3 oder
mehr) Aborten finden sich gehäuft immunologische Befunde, die für die
normale Entwicklung der Schwangerschaft von Nachteil sind: erhöhte Zahl
und Aktivität der natürlichen Killerzellen, Dominanz der
T-Helferzellen 1 (Th 1) und deren Zytokine (Tumornekrosefaktor-beta,
Interleukin-2). Unklar ist allerdings, ob diese Veränderungen tatsächlich
die Ursache oder vielmehr die Folge der Aborte darstellen.
- Das
gehäufte Vorkommen von Antikörpern gegen Schilddrüsen-Antigene
wird als generelle Aktivation des humoralen Immunsystems bei diesen Frauen
interpretiert.
- Diagnostik: Ein generelles Screening dieser
immunologischen Phänomene kann derzeit nach Abwägung von Kosten und
Nutzen nicht empfohlen werden.
- Therapie: Therapeutische Konsequenzen können
daraus zur Zeit nicht gezogen werden. Die aktive Immuntherapie (IT) zur Abortprophylaxe wird nach wie vor
äußerst kontrovers diskutiert. In einer Metaanalyse* ergab sich eine Erhöhung der Rate
an Lebendgeburten nach aktiver IT mit Lymphozyten des Partners oder einer
Drittperson um 16 % (absolut). Sowohl eine erhöhte Zahl von Aborten (mehr
als 3) als auch autoimmune Phänomene erwiesen sich als ungünstige
prognostische Faktoren. Jedoch wurden kürzlich die Resultate einer weiteren prospektiven
Studie* publiziert, die
keinen Effekt der aktiven IT zeigen konnte. Aufgrund der möglichen
Nebenwirkungen und Risiken, die denen einer Gabe von Fremdblut zumindest
vergleichbar sind, wird sie in Deutschland nur an wenigen Zentren praktiziert.
Auch die passive IT mit i. v. Immunglobulinen, für die kürzlich in
einer Metaanalyse eine nicht signifikante Erhöhung der Rate an
Lebendgeburten um 10 % gezeigt wurde, wird aufgrund ihrer hohen Kosten und
anderer ungeklärter Fragen (Zeitpunkt des Beginns und Dauer der Therapie)
nur mit äußerster Zurückhaltung angewendet. *LITERATURANGABE
Endometriose. Ektopes Endometrium läßt sich
im Vergleich zu solchem aus dem Cavum uteri durch einige immunologische Befunde
charakterisieren: erhöhter Gehalt an Östrogenrezeptoren,
erhöhter Gehalt an CD8+ und erniedrigter Gehalt an CD56+ Leukozyten.
Ferner findet man in der peritonealen Flüssigkeit erhöhte Spiegel an
Hitzeschockproteinen und an ·2-Mikroglobulin. Allerdings wird
angenommen, daß diese Veränderungen in erster Linie
Epiphänomene als Folge einer generellen Inflammation des Peritoneums oder
gar Artefakte darstellen und nicht für die Entstehung oder Progression der
Erkrankung verantwortlich sind. Gesicherte therapeutische Konsequenzen ergeben
sich derzeit hieraus nicht.
Antiphospholipid-Syndrom. Der kausale Zusammenhang zwischen
Antiphospholipid-Ak. (APA) und wiederholten Aborten und Fruchttoden,
Wachstumsretardierung und Präeklampsie gilt seit einigen Jahren als
gesichert. Dennoch sind die Labormethoden für die Bestimmung der APA
zwischen den Laboratorien alles andere als standardisiert. Bei den APA handelt
es sich um eine heterogene Gruppe von Antikörpern gegen verschiedene
Phospholipide (z. B. Phosphoserin) in den Klassen IgG, IgM und IgA, wozu auch
Anti-Cardiolipin und das Lupus-Antikoagulans zählen. Die in der Literatur (LITERATURANGABE ??) berichtete Prävalenz positiver
Befunde von APA ist von der Zahl der getesteten Antikörper abhängig
und schwankt von 5 - 40 %. Ein Screening auf APA ist bei einer Vorgeschichte
mit wiederholten Aborten generell indiziert. Therapeutisch erwiesen sich
Aspirin (80 - 100 mg/d) oder /und Heparin (15.000 - 25.000 IU/d) oder auch i.
v. Immunglobuline als wirksam.
Vorzeitige Menopause. Beim "premature ovarian
failure" (POF) gibt es neben chromosomalen, genetischen, infektiösen
und iatrogen verursachten Formen auch die Assoziation mit Autoimmunerkrankungen,
wie insulinpflichtiger Diabetes mellitus, Myasthenie und Insuffizienz der
Nebennierenrinde (M. Addison). In 20 - 50 % der sog. idiopathischen Fälle
von POF fanden sich Antikörper (IgG, IgM, IgA) gegen Ovargewebe oder gegen
Steroide produzierende Zellen, in etwa 50 % wiederum in Kombination mit anderen
humoralen und zellulären autoimmunen Phänomenen (z. B.
antinukleäre Faktoren). Bei leerer Anamnese kann nach Abwägung von Kosten und Nutzen ein generelles
Screening nicht empfohlen werden.
Literaturhinweise
5 Autorenverzeichnis
Cosima Brucker
Prof. Dr. med.
Univ.-Frauenklinik Ulm
Abteilungsleiterin
gynäkologische Endokrinologie
und Fortpflanzungsmedizin
Prittwitzstraße 43
89075 Ulm
Tel.: 0731/5027680
Klaus Diedrich
Prof. Dr. med.
Universitäts-Frauenklinik
Ärztl. Direktor
Ratzeburger Allee 160
23562 Lübeck
Tel.: 0451/5000
Inge Eberhardt
Dr. sc. hum.
Univ.-Frauenklinik
Voßstraße 7
(alte HNO)
69115 Heidelberg
Tel.: 06221/567921
Robert Fischer
Dr. med.
Fertility Center Hamburg
Speersort 4
20095 Hamburg
Tel.: 040/30804530
Klaus Grunwald
Dr. med.
Med. Einrichtungen, RWTH
Aachen,
Klinik für
gynäkologische Endokrinologie
und Reproduktionsmedizin
Pauwelsstraße 30
52074 Aachen
Tel.: 0241/8088966
E-Mail:
Klaus.Grunwald@post.rwth-aachen.de
Christoph Keck
Dr. med.
Univ.-Frauenklinik Geb.
Gyn. II
Hugstetter Straße 55
79106 Freiburg
Tel.: 0761/2703002
Frank Michael Köhn
PD Dr. med.
Klinik für
Dermatologie u. Allergologie am Biederstein, TU München
Biedersteiner Straße
29
80802 München
Tel.: 089/41400
Michael Ludwig
Dr. med.
Univ.-Frauenklinik
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Tel.: 0451/5002133
E-Mail:
Ludwig_M@t-online.de
Hans Wilhelm Michelmann
Prof.Dr.med.
Univ.-Frauenklinik
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen
Tel.: 0551/396277
E-Mail: hw_michelmann@med.uni-goettingen.de
Markus Montag
Dr. rer. nat.
Univ.-Frauenklinik,
Abteilung für
gynäkologische Endokrinologie
Sigmund-Freud-Straße
25
53105 Bonn
Tel.: 0228/2874654
Suat Parta
Dr. sc. hum.
Arbeitsgruppe
Reproduktionsmedizin
Hauptstraße 44
69117 Heidelberg
Tel.: 06221/182323
Thomas Rabe
Prof. Dr. med. Dr. h.c.
mult.
Univ.-Frauenklinik
Heidelberg
Abteilung
gynäkologische Endokrinologie
und
Fertilitätsstörung
Voßstraße 9
69115 Heidelberg
Tel.: 06221/567913
Fax.:06221/565713
E-Mail: Thomas_Rabe@med.uni-heidelberg.de
Wolf-Bernhard Schill
Prof. Dr. Dr. med. habil.
Universitäts-Hautklinik
Ärztl. Direktor
Gaffkystr. 14
35385 Gießen
Tel.: 0641/9943201
Thomas Strowitzki
Prof. Dr. med.
Univ.-Frauenklinik
Heidelberg
Abteilung
gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörung
Ärztl. Direktor
Voßstraße 9
69115 Heidelberg
Tel.: 06221/567910
Fax.: 06221/564099
E-Mail:
Thomas_Strowitzki@med.uni-heidelberg.de
Thomas Streck
PD Dr.med.
Univ.-Frauenklinik
Josef-Schneider-Str.4
97080 Würzburg
Tel.: 0931/2013621
Karl Sterzik
Prof. Dr. med.
Frauenstraße 51
89073 Ulm
Tel.: 0731/966510
Hans H. van der Ven
Prof. Dr. med.
Univ.-Frauenklinik
Abteilung für
gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin
Ärztl. Direktor
Sigmund-Freud-Straße
25
53127 Bonn
Tel.: 0228/2875779
E-Mail:
hans.van-der-Ven@meb.uni-bonn.de
Peter Vogt
PD Dr. med.
Institut für Humangenetik
INF 328
69120 Heidelberg
Tel.: 06221/563924
Wolfgang Weidner
Prof. Dr. med.
Urologische Klinik
Ärztl. Direktor
Klinikstr. 29
35385 Gießen
Tel.: 0641/9944500
Michael Weigel
Dr. med.
Klinikum Mannheim
Postfach 10 00 23
68167 Mannheim
Tel.: 0621/3832286
Ute Weißenborn
Dipl.-Biol. Dr. rer. nat.
Klinikum RWTH Aachen, Frauenklinik
Pauwelsstraße 30
52074 Aachen
Tel.: 0241/800
E-Mail: uweissenborn@post.klinikum.rwth-aachen.de
Tewes Wischmann
Dipl. Psych. Dr.
Abt. für Med. Psychol.
Bergheimer Str. 20
69115 Heidelberg
Tel.: 06221/568137
Wolfgang Würfel
Prof. Dr. Dr. med.
Frauenklinik Dr.
Krüsmann
Schmiedwegerl 2-6
81241 München
Tel.: 089/82099100
E-Mail:
Wolfgang_Würfel@munich.netsurf.de
Ingrid Gerhard
Prof. Dr. med.
Univ.-Frauenklinik
Voßstr. 9
69115 Heidelberg
Tel.: 06221/568320
E-Mail:
ingrid_gerhard@med.uni-frauenklinik.de
Matthias Korrell
Dr. med.
Direktor der Frauenklinik
Klinikum Duisburg - Wedau
Kliniken
Zu den Rehwiesen 9
47055 Duisburg
Tel.: 0203/7332201
Josef Neulen
Prof. Dr. med.
RWTH Aachen, Abt.
Gynäkologie
Pauwelsstr. 30
52074 Aachen
Tel.: 0241/8088966